Prostatasteine

Fachärztliche Diagnostik und Therapie für Prostatasteine. Dr. Marinos Vasilas — Urologe auf Rhodos, Griechenland.

Λιθίαση Προστάτη - Πέτρες στον Προστάτη | Ουρολόγος Ρόδος
Dr. Marinos VasilasApril 20266 Min. Lesezeit

Kurzantwort

Prostatasteine (Prostataverkalkungen / Prostatolithiasis) sind verkalkte Ablagerungen innerhalb der Prostatadrüse. Sie werden fast immer zufällig im Ultraschall entdeckt und erfordern in der großen Mehrheit der Fälle keine Behandlung. Der entscheidende klinische Schritt ist der Ausschluss von Prostatakrebs durch PSA-Bestimmung und – bei Indikation – weitere Abklärung.

Mein klinischer Ansatz bei Prostatasteinen

Prostataverkalkungen gehören zu den häufigsten Zufallsbefunden in meiner urologischen Praxis in Rhodos. Viele Patienten sind besorgt, wenn sie erfahren, dass sie “Steine in der Prostata” haben – in der großen Mehrzahl der Fälle ist jedoch Aufklärung, nicht Intervention, die richtige Reaktion.

Jeder Patient mit neu festgestellten Prostatasteinen erhält eine PSA-Blutuntersuchung, eine digitale rektale Untersuchung (DRU) und – bei Bedarf – eine multiparametrische MRT zum Ausschluss signifikanter Pathologie. Die Steine selbst werden dann beobachtet.

  • PSA + DRU bei jedem Patienten mit neu festgestellten Prostatasteinen.
  • Ausschluss von Begleiterkrankungen: BPH, chronische Prostatitis, Prostatakrebs.
  • Behandlung nur wenn Steine zu wiederkehrenden Infektionen oder Beckenschmerzen beitragen.
  • Aktive Beobachtung bei asymptomatischen Befunden – ohne unnötige Beunruhigung.

Was sind Prostatasteine

Prostatasteine sind verkalkte Ablagerungen, die sich in den Drüsengängen und Azini der Prostata bilden. Im transrektalen Ultraschall (TRUS) erscheinen sie als hyperechogene Foci mit dorsalem Schallschatten. Sie können mikroskopisch klein sein oder Gruppen von mehreren Millimetern Durchmesser bilden.

Ihre Häufigkeit steigt mit dem Alter – sie werden bei schätzungsweise >75% der Männer über 50 im TRUS gefunden, mit oder ohne BPH bzw. chronische Prostatitis.

Klinische Bedeutung

In der überwältigenden Mehrheit der Fälle sind Prostatasteine harmlose Zufallsbefunde. Klinische Bedeutung erlangen sie nur in spezifischen Kontexten – primär in Verbindung mit chronischer Prostatitis oder wiederkehrenden Harnwegsinfektionen.

Ursachen & Pathophysiologie

Zwei Hauptmechanismen führen zur Bildung von Prostatasteinen:

Primäre (endogene) Steine

Entstehen durch Verkalkung normaler Prostatasekrete (Corpora amylacea). Typischerweise asymptomatisch und stellen eine natürliche Folge des Alterungsprozesses dar. Am häufigsten in der Transitionszone.

Sekundäre (exogene) Steine

Entstehen durch retrograden Urinfluß in die Prostatagänge oder durch Verkalkung entzündlicher Exsudate bei chronischer Prostatitis. Eher mit Symptomen assoziiert.

Risikofaktoren

Benigne Prostatahyperplasie (BPH), chronische Prostatitis, Harnwegsinfektionen in der Vorgeschichte, höheres Lebensalter.

Symptome & Klinische Präsentation

Die Mehrzahl der Patienten mit Prostatasteinen ist vollständig beschwerdefrei. Die Erkrankung wird typischerweise zufällig bei einer aus anderem Anlass durchgeführten Ultraschalluntersuchung entdeckt.

Asymptomatisch (Mehrheit)

Zufallsbefund im Ultraschall. Keine Intervention erforderlich – nur Beurteilung eventueller Begleiterkrankungen.

Perinealer Schmerz / Beckenbeschwerden

Vages Schweregefühl im Dammbereich oder Unterbauchdruckgefühl, das sich im Sitzen verstärken kann. Häufig eher mit begleitender chronischer Prostatitis als mit den Steinen selbst assoziiert.

Symptome des unteren Harntrakts (LUTS)

Bei Patienten mit BPH können Prostatasteine die LUTS-Symptomatik verstärken. Wiederkehrende Harnwegsinfektionen oder Sekretionsstau können ebenfalls auftreten.

Prostatasteine ersetzen kein Krebsscreening

Das Auffinden von Prostatasteinen ist eine Gelegenheit – kein Grund zur Panik, aber ein Anlass für notwendige Untersuchungen:

  • PSA-Blutuntersuchung zum Ausschluss von Prostatakrebs – unabhängig von Alter oder Symptomen.
  • Digitale rektale Untersuchung (DRU) zur Beurteilung von Prostatakonsistenz und Tastbefund.
  • Bei erhöhtem PSA oder suspektem Tastbefund: Abklärung auf Prostatakrebs mit mpMRT und ggf. Biopsie.

Klassifikation — Steintypen

Prostatasteine werden nach anatomischer Lage und Entstehungsmechanismus eingeteilt:

Zentrale Steine

TransitionszoneHäufig bei BPH

In der zentralen/Transitionszone lokalisiert. Typischerweise multipel und klein. Meist asymptomatisch. Häufigster Typ.

Periphere Steine

Periphere ZoneHäufig bei Prostatitis

In der peripheren Zone lokalisiert. Eher mit chronischer Prostatitis oder früherer Infektion assoziiert. Können mit perinealen Schmerzsymptomen in Verbindung stehen.

Ductus ejaculatorii

Zentral / PerizentralSelten

Seltene Lokalisation – kann mit obstruktiver Oligospermie oder Ejakulationsstörungen assoziiert sein. Erfordert spezialisierte andrologische Abklärung.

Diagnostische Abklärung

Standardabklärung bei einem Patienten mit neu festgestellten Prostatasteinen:

Anamnese & Klinische Untersuchung

Beurteilung von Harnsymptomen, Prostatitis-Vorgeschichte, HWI-Anamnese oder BPH. Digitale rektale Untersuchung (DRU) zur Einschätzung von Konsistenz und Druckschmerz.

PSA-Blutuntersuchung

Obligatorisch für jeden Patienten mit Prostatasteinen – unabhängig von Alter oder Symptomen. Essentiell für den Ausschluss von Prostatakrebs.

Transrektaler Ultraschall (TRUS)

Kartierung der Steinverteilung (Anzahl, Größe, Lokalisation). Beurteilung von Prostatavolumen und Gewebsstruktur. Messung des Restharnvolumens.

mpMRT (ausgewählte Fälle)

Indiziert bei erhöhtem PSA oder suspekter DRU – zum Ausschluss klinisch signifikanter Malignität. Auch erwägenswert, wenn dichte Verkalkungen die Ultraschallinterpretation erschweren.

Behandlungsansatz

Die Behandlung richtet sich nach Symptomen und Begleiterkrankungen:

1

Aktive Beobachtung (Asymptomatische Steine)

Die große Mehrzahl der Patienten benötigt keine Intervention. Jährliche urologische Kontrolle mit PSA + DRU + Ultraschall. Aufklärung und Beruhigung des Patienten.

2

Behandlung von Begleiterkrankungen

Bei chronischer Prostatitis: prolongierte Antibiotikatherapie (Fluorchinolone), Alphablocker zur Schmerzlinderung, antientzündliche Medikamente. Bei BPH: Therapie nach LUTS-Schweregrad und IPSS-Score.

3

Interventionelle Behandlung (Selten)

In Ausnahmefällen, bei denen Steine mit therapierefraktären wiederkehrenden Infektionen assoziiert sind, kann TURP oder Laserablation zur Entfernung steintragenden Prostatagewebe erwogen werden.

4

Ductus-ejaculatorii-Obstruktion (Ausgewählte Fälle)

Bei jungen Männern mit Infertilität und nachgewiesener Ductus-ejaculatorii-Obstruktion durch Steine: spezialisierte andrologische Abklärung und ggf. transurethrale Resektion der Ductus ejaculatorii (TURED).

Komplikationen & Begleiterkrankungen

Prostatasteine können gleichzeitig mit folgenden Erkrankungen auftreten oder dazu beitragen:

  • Chronische Prostatitis – die engste Assoziation. Steine können als “Bakterienreservoir” fungieren, das Erreger vor dem Zugang von Antibiotika schützt und therapierefraktäre Infektionen unterhält.
  • Benigne Prostatahyperplasie (BPH) – häufiges Nebeneinander, insbesondere in der Transitionszone.
  • Männliche Unfruchtbarkeit – selten, bei Befall der Ductus ejaculatorii.
  • In suspekten klinischen Situationen: obligatorischer Ausschluss von Prostatakrebs mit PSA + mpMRT.

Nachsorge & Prognose

Nachsorge bei asymptomatischen Prostatasteinen:

  • Jährliche urologische Kontrolle: PSA + DRU + Ultraschall.
  • Wenn Befunde stabil bleiben und PSA/DRU unauffällig sind – keine weitere Intervention.
  • Bei neuen Symptomen oder PSA-Veränderung – erneute Abklärung mit Bildgebung.

Prognose

Prostatasteine als Isolatbefund haben eine ausgezeichnete Prognose und beeinflussen Lebenserwartung oder langfristige Gesundheit nicht negativ. Das klinische Ergebnis wird primär durch etwaige Begleiterkrankungen (BPH, chronische Prostatitis) und die Wirksamkeit ihrer Behandlung bestimmt.

Häufige Fragen (FAQ)

Sind Prostataverkalkungen dasselbe wie Prostatasteine?

Ja. In der klinischen Praxis werden die Begriffe “Prostataverkalkungen”, “Prostatasteine” und “Prostatolithiasis” gleichbedeutend verwendet, um verkalkte Ablagerungen innerhalb der Prostatadrüse zu beschreiben.

Können Prostatasteine Krebs verursachen?

Nein – es gibt keinen nachgewiesenen Kausalzusammenhang. Das Vorhandensein von Prostatasteinen deutet nicht auf Prostatakrebs hin und führt auch nicht dazu. Dichte oder ungewöhnliche Verkalkungen können jedoch in manchen Fällen die Interpretation der mpMRT erschweren. Regelmäßige PSA-Untersuchungen bleiben unabhängig davon notwendig.

Gehen Prostatasteine von selbst weg?

Nein – nicht wie Nieren- oder Harnleitersteine. Prostatasteine sind im Drüsengewebe fixiert und passieren nicht den Harntrakt. Sie bleiben als stabile Bildgebungsbefunde bestehen und werden in der Regel beobachtet, nicht entfernt.

Müssen Prostatasteine immer behandelt werden?

Nein. Die große Mehrheit der Männer mit Prostatasteinen benötigt keine spezifische Behandlung. Wenn die Steine symptomlos sind und keine andere Erkrankung vorliegt, reicht eine regelmäßige Beobachtung aus. Eine Behandlung wird nur erwogen, wenn die Steine mit wiederkehrenden Infektionen oder therapierefraktärer chronischer Prostatitis in Verbindung stehen.

Können Prostatasteine die Fruchtbarkeit beeinträchtigen?

In seltenen Fällen können große Steine in den Ductus ejaculatorii zu einer obstruktiven Oligospermie oder Ejakulationsstörungen beitragen. Die Abklärung männlicher Unfruchtbarkeit umfasst Hoden- und transrektale Ultraschalluntersuchung (TRUS) zur Beurteilung der Gangstruktur.

Sind Prostatasteine bei jungen Männern häufig?

Sie sind deutlich häufiger bei Männern über 50 Jahren, insbesondere bei chronischer Prostatitis oder BPH. Bei jüngeren Männern sind Prostatasteine typischerweise Zufallsbefunde bei einer aus anderem Anlass durchgeführten Ultraschalluntersuchung.

Verursachen Prostatasteine Schmerzen?

Die meisten Patienten sind vollständig beschwerdefrei. Wenn Symptome auftreten, handelt es sich typischerweise um ein vages Schweregefühl im Dammbereich, leichten Beckenschmerz oder eine Verstärkung bestehender Beschwerden bei chronischer Prostatitis. Starke Schmerzen sind ungewöhnlich und sollten auf andere Ursachen untersucht werden.

Sollte ich mir Sorgen machen, wenn bei mir Prostatasteine festgestellt wurden?

Im Allgemeinen nein. Prostatasteine sind sehr häufige und in aller Regel harmlose Befunde. Besorgniserregend sind sie nur, wenn sie von erhöhtem PSA, suspektem Tastbefund, wiederkehrenden Infektionen oder ungewöhnlichen Symptomen begleitet werden – dann ist eine weitergehende urologische Abklärung notwendig.

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Literatur – Quellen

  1. EAU Guidelines on Urological Infections 2024 — uroweb.org
  2. Sfanos KS, et al. Prostatic Calculi — Where Did They Come From? Urology 2009;73:787–791.
  3. de la Rosette JJ, et al. Transrectal ultrasonography in the diagnosis of prostatic disease. Br J Urol 1991;67:629–635.
  4. Shoskes DA, et al. Cytokine polymorphisms in men with chronic prostatitis/chronic pelvic pain syndrome. Urology 2002;59:797–801.
  5. NIDDK: Prostatitis — Inflammation of the Prostate — niddk.nih.gov

Ärztliche Redaktion

Dr. Marinos Vasilas — Urologe Rhodos

Dr. Marinos Vasilas, Urologe – Androloge

Dr. Marinos Vasilas betreibt eine private urologische Praxis in Rhodos mit Schwerpunkt auf der Diagnose und Behandlung von Prostataerkrankungen, einschließlich Prostatasteinen und chronischer Prostatitis.

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