Prostatakrebs

Fachärztliche Diagnostik und Therapie für Prostatakrebs. Dr. Marinos Vasilas — Urologe auf Rhodos, Griechenland.

Καρκίνος Προστάτη - Διάγνωση και Θεραπεία | Ουρολόγος Ρόδος
Dr. Marinos VasilasApril 20268 Min. Lesezeit

Kurzantwort

Prostatakrebs ist die häufigste Krebserkrankung bei Männern in Griechenland (>7.000 neue Fälle/Jahr). Im Frühstadium verursacht er keine Symptome – die Früherkennung basiert auf PSA und mpMRT. Mit korrekter Diagnose und individualisierter Therapie wird lokalisierter Prostatakrebs in >90% der Fälle geheilt.

Mein klinischer Ansatz bei Prostatakrebs

In meiner urologischen Praxis in Rhodos richtet sich das Prostatakrebs-Management nach den EAU-Leitlinien 2024 mit Fokus auf individuelle Behandlung. Ziel ist nicht nur die Krebsdiagnose – sondern die Erkennung des klinisch bedeutsamen Krebses, der eine Behandlung erfordert, unter Vermeidung unnötiger Eingriffe bei indolenter Erkrankung.

Ich wende ein PSA + mpMRT-Protokoll vor jeder Biopsie an, um blinde transrektale Biopsien zu vermeiden. Ausschließlich die transperineale Biopsie wird eingesetzt – das Sepsisrisiko der transrektalen Methode entfällt damit nahezu vollständig.

  • PSA + mpMRT als erster Schritt im diagnostischen Algorithmus.
  • Transperineale Biopsie – nahezu null Infektionsrisiko.
  • Aktive Überwachung als Standard für Niedrigrisiko-Krebserkrankungen.
  • Robotisch-assistierte radikale Prostatektomie für lokalisierte behandlungsbedürftige Erkrankung.

Was ist Prostatakrebs

Prostatakrebs entsteht, wenn bösartige Zellen in der Prostatadrüse wachsen – einer walnussgroßen Drüse unterhalb der Blase, die die Harnröhre umgibt. In 90% der Fälle handelt es sich um ein Adenokarzinom (ausgehend von Drüsenzellen).

Laut GLOBOCAN 2022 werden in Griechenland jährlich >7.000 neue Fälle diagnostiziert – Prostatakrebs ist damit die häufigste Krebserkrankung bei Männern im Land.

Biologisches Verhalten

Das biologische Verhalten variiert erheblich: Manche Tumoren wachsen sehr langsam und gefährden das Leben nicht (ISUP-Gruppe 1), während andere aggressiv sind (Gruppe 4-5) und sofortige Behandlung erfordern. Diese Unterscheidung ist entscheidend für die Therapieentscheidung.

Risikofaktoren & Epidemiologie

Wesentliche Risikofaktoren für Prostatakrebs:

Alter

Das Risiko steigt nach dem 50. Lebensjahr deutlich an. Unter 40 Jahren ist Prostatakrebs selten.

Familiengeschichte

Männer mit einem Vater oder Bruder mit Prostatakrebs haben ein 2–3-fach erhöhtes Risiko.

Genetische Mutationen

BRCA2-Träger (und in geringerem Maße BRCA1) haben ein erhöhtes Risiko für aggressiven Krebs – Screening ab 40 Jahren wird empfohlen.

Ethnische Zugehörigkeit

Männer afrikanischer Abstammung haben ein deutlich höheres Risiko und erkranken häufiger an aggressivem Krebs.

Wann mit dem Screening beginnen

  • Ab 50 Jahren für Männer mit durchschnittlichem Risiko.
  • Ab 45 Jahren bei erstgradig Verwandten (Vater oder Bruder) mit Prostatakrebs.
  • Ab 40 Jahren für BRCA2-Träger oder Männer mit afrikanischer Abstammung.

Symptome & Klinische Präsentation

Im frühen, heilbaren Stadium ist Prostatakrebs meist völlig symptomlos. Wenn der Tumor wächst oder sich ausbreitet:

Harnsymptome

Schwacher Harnstrahl, Startschwierigkeiten, häufiger Harndrang, Nykturie, Gefühl unvollständiger Blasenentleerung – alles auch typisch für BPH.

Hämaturie / Hämatospermie

Blut im Urin oder Sperma. Erfordert sofortige urologische Abklärung – oft benigne Ursache, aber Malignität muss ausgeschlossen werden.

Metastatische Symptome

Rücken-, Becken- oder Knochenschmerzen – nur bei fortgeschrittener, metastatischer Erkrankung. Müdigkeit und Gewichtsverlust können ebenfalls auftreten.

Prostatakrebs verursacht im Frühstadium häufig keine Symptome — Vorsorgeuntersuchungen retten Leben

Harnsymptome können durch eine benigne Prostatahyperplasie oder andere gutartige Erkrankungen verursacht werden. Regelmäßige PSA-Vorsorge ist jedoch unabhängig von Symptomen essenziell:

  • PSA bei Männern >50 Jahren (oder früher bei Risikofaktoren).
  • Digitale rektale Untersuchung (DRU) bei der jährlichen urologischen Kontrolle.
  • Ignorieren Sie keinen steigenden PSA-Wert – auch ohne Symptome.

PSA — Der Screeningmarker

Der PSA-Test (Prostataspezifisches Antigen) ist ein wertvolles klinisches Instrument, aber nicht krebsspezifisch. PSA wird auch erhöht durch:

Ein erhöhter PSA-Wert bedeutet daher nicht automatisch Krebs. Bei einem verdächtigen Wert (z.B. 3–10 ng/mL) folgen Risikostratifizierung und – bei Bedarf – ein mpMRT.

Diagnostische Abklärung — mpMRT & Biopsie

Der moderne diagnostische Algorithmus gemäß EAU-Leitlinien 2024:

Klinische Beurteilung & PSA

Anamnese, PSA-Messung, PSA-Dichte, digitale rektale Untersuchung (DRU). Risikoberechnung (ERSPC, PCPT).

Multiparametrische MRT (mpMRT)

Vor jeder Biopsie. Bewertet verdächtige Läsionen mit PIRADS-Score (1-5). PIRADS 1-2: niedrige Krebswahrscheinlichkeit. PIRADS 4-5: hohe Wahrscheinlichkeit – Biopsie indiziert.

Transperineale Prostatabiopsie

Der transrektalen Methode vorzuziehen – eliminiert das Sepsisrisiko. Gezielte (Fusion-)Biopsie verdächtiger mpMRT-Läsionen. Ambulanter Eingriff in Lokalanästhesie.

Staging (bei Krebsnachweis)

CT Abdomen/Becken, Knochenszintigraphie (oder PSMA-PET/CT) zum Ausschluss von Metastasen bei Grade-Gruppe ≥3 oder PSA >20 ng/mL.

Gleason-Score & ISUP-Graduierung

Die Aggressivität des Krebses wird nach dem ISUP-Grade-Gruppen-System (1–5) klassifiziert:

Gruppe 1

Gleason 6Sehr niedriges Risiko

Indolenter Krebs. Aktive Überwachung – keine sofortige Behandlung. Regelmäßige PSA- und MRT-Kontrollen.

Gruppe 2

Gleason 3+4=7Intermediär (günstig)

Relativ langsames Wachstum. Aktive Überwachung oder definitive Therapie je nach klinischen Merkmalen.

Gruppe 3

Gleason 4+3=7Intermediär (ungünstig)

Behandlung indiziert. Radikale Prostatektomie oder Strahlentherapie.

Gruppe 4

Gleason 8Hohes Risiko

Aggressive Erkrankung. Definitive Therapie ± adjuvante Hormontherapie. Staging obligatorisch.

Gruppe 5

Gleason 9–10Sehr hohes Risiko

Sehr aggressive Erkrankung. Definitive Therapie + Hormontherapie. Metastasierungs-Staging erforderlich.

Behandlungsoptionen

Die Therapie wird individuell nach ISUP-Grade-Gruppe, Krankheitsstadium, Alter und Patientenpräferenz entschieden:

1

Aktive Überwachung (Active Surveillance)

Standard bei Gruppe 1 (und ausgewählter Gruppe 2). Regelmäßige PSA-Kontrollen (6 Monate), mpMRT-Wiederholung, Kontrollbiopsie. Vermeidet Behandlungsnebenwirkungen ohne Abstriche bei der onkologischen Sicherheit.

2

Radikale Prostatektomie (Robotisch)

Chirurgische Entfernung der Prostata bei lokalisierter Gruppe 2-5. Die robotisch-assistierte Technik (RALP) gewährleistet schnellere Genesung und bessere Erhaltung von Kontinenz und Erektionsfähigkeit.

3

Strahlentherapie (EBRT ± Brachytherapie)

Gleichwertige onkologische Ergebnisse wie Operation bei lokalisierter Erkrankung. Häufig mit Hormontherapie kombiniert bei Gruppe ≥3 oder Hochrisikoerkrankung.

4

Hormontherapie (ADT) ± Chemotherapie

Bei lokal fortgeschrittener oder metastatischer Erkrankung. Neue Wirkstoffe (Abirateron, Enzalutamid, Darolutamid) in Kombination mit ADT haben die Prognose deutlich verbessert.

Nachsorge & Prognose

Strukturierte Nachsorge nach der Prostatakrebsbehandlung:

  • PSA alle 3 Monate im 1. Jahr, alle 6 Monate im 2.–5. Jahr, danach jährlich.
  • Biochemisches Rezidiv (BCR): PSA ≥0,2 ng/mL nach Prostatektomie – Abklärung für Salvage-Strahlentherapie oder ADT.
  • Bei aktiver Überwachung: mpMRT alle 18 Monate und Kontrollbiopsie alle 3-5 Jahre.
  • Langfristige Lebensqualitätskontrolle: Harnkontinenz, Erektionsfähigkeit, Knochendichte (ADT).

Prognose

Lokalisierter Krebs (Gruppe 1-3, Stadium I-II): krebsspezifisches 15-Jahres-Überleben >85–95% mit geeigneter Therapie. Lokal fortgeschrittene Erkrankung (Stadium III): häufig heilbar mit kombinierter Strahlen- und Hormontherapie. Metastatische Erkrankung: neue Wirkstoffe haben das Gesamtüberleben deutlich verbessert.

Häufige Fragen (FAQ)

Bedeutet ein erhöhter PSA-Wert immer Prostatakrebs?

Nein. Eine benigne Prostatahyperplasie (BPH) und eine Prostatitis erhöhen den PSA-Wert häufig. Ein erhöhter PSA-Wert erfordert weitere Abklärung — nicht sofortige Panik oder Biopsie. Die multiparametrische Magnetresonanztomographie (mpMRT) ist der nächste Schritt zur Einschätzung der Krebswahrscheinlichkeit.

Ist bei erhöhtem PSA immer eine Biopsie notwendig?

Nein. Die aktuellen EAU-Leitlinien empfehlen ein mpMRT vor der Biopsie. Bei PIRADS 1-2 (niedrigem Verdacht) kann die Biopsie oft sicher aufgeschoben werden. Bei PIRADS 4-5 wird eine gezielte transperineale Biopsie durchgeführt.

Muss jeder Patient mit Prostatakrebs operiert werden?

Nein. Bei sehr niedrigrisiko und niedrigrisiko Krebserkrankungen (ISUP Grade-Gruppe 1) ist die aktive Überwachung der Standard — keine sofortige Behandlung, sondern regelmäßige PSA-Kontrollen und MRT-Überwachung. Die Therapieentscheidung wird individuell nach Tumorgrad, Alter und Patientenwunsch getroffen.

Kann eine gutartige Prostatahyperplasie (BPH) in Krebs übergehen?

Nein. BPH und Prostatakrebs sind völlig verschiedene Erkrankungen. Sie können gleichzeitig vorliegen und ähnliche Harnsymptome verursachen, aber gutartiges Gewebe verwandelt sich nicht in bösartiges.

Wann soll ich mit PSA-Vorsorge beginnen?

Ab 50 Jahren für Männer mit durchschnittlichem Risiko. Ab 45 Jahren bei einem erstgradigen Verwandten (Vater oder Bruder) mit Prostatakrebs. Ab 40 Jahren für BRCA2-Mutationsträger oder Männer mit afrikanischer Abstammung.

Was bedeuten Gleason-Score und ISUP-Graduierung?

Der Gleason-Score (6–10) bewertet die Aggressivität des Krebses in der Biopsie. Die neuere ISUP-Grade-Gruppe (1–5) ist klinisch intuitiver: Grade-Gruppe 1 = niedriges Risiko (indolent), Grade-Gruppe 5 = sehr hohes Risiko (aggressiv). Sie bestimmt die Wahl der geeigneten Therapie.

Welche Nebenwirkungen hat die Prostatakrebsbehandlung?

Die Nebenwirkungen hängen von der Behandlung ab. Radikale Prostatektomie kann Harninkontinenz (meist vorübergehend) und erektile Dysfunktion verursachen. Strahlentherapie ist mit Darm- und Harntraktbeschwerden verbunden. Hormontherapie (ADT) verursacht Hitzewallungen, Libidoverlust, Müdigkeit und bei Langzeitanwendung Knochendichteverlust.

Kann Prostatakrebs vollständig geheilt werden?

Ja — lokalisierter Krebs (Stadium I-II, Grade-Gruppe 1-3) hat eine ausgezeichnete Prognose mit >85–95% krebsspezifischem 15-Jahres-Überleben bei geeigneter Behandlung. Auch lokal fortgeschrittene Erkrankungen (Stadium III) sind häufig heilbar. Frühzeitige PSA-Vorsorge ist entscheidend.

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Literatur – Quellen

  1. EAU Guidelines on Prostate Cancer 2024 — uroweb.org
  2. GLOBOCAN 2022: Cancer Statistics for Greece — gco.iarc.who.int
  3. Mottet N, et al. EAU-EANM-ESTRO-ESUR-SIOG Guidelines on Prostate Cancer. Eur Urol 2021;79(2):243–262.
  4. National Cancer Institute: Understanding PSA Testing — cancer.gov
  5. Ahmed HU, et al. Diagnostic accuracy of multi-parametric MRI and TRUS biopsy in prostate cancer. BMJ 2017;359:j5023.

Ärztliche Redaktion

Dr. Marinos Vasilas — Urologe Rhodos

Dr. Marinos Vasilas, Urologe – Androloge

Dr. Marinos Vasilas betreibt eine private urologische Praxis in Rhodos mit Schwerpunkt auf Diagnose und Behandlung von Prostatakrebs nach den neuesten mpMRT- und transperinealen Biopsieprotokollen. Er folgt den EAU-Leitlinien 2024.

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