Mein klinischer Ansatz bei BPH
BPH ist eine der häufigsten Erkrankungen, die ich in meiner urologischen Praxis in Rhodos behandle. Viele Männer leiden jahrelang an erheblichen Harnsymptomen, bevor sie Hilfe suchen – in der irrigen Annahme, dass Nykturie und schwacher Harnstrahl einfach “zum Älterwerden gehören”. Das stimmt nicht – und die Symptome sind fast immer behandelbar.
Mein Ansatz beginnt mit einer genauen Symptomquantifizierung (IPSS-Score + 3-tägiges Miktionsprotokoll), dem Ausschluss von Krebs (PSA + DRU) und der Restharnmessung (PVR). Ich folge dem schrittweisen Ansatz der EAU 2026 — vom weniger zum stärker invasiven Verfahren, orientiert an der Balance aus Wirksamkeit, Nebenwirkungen und Dauerhaftigkeit.
- IPSS-Score + Restharn + PSA als Grundlage jeder Beurteilung.
- Krebsausschluss vor Zuschreibung der Symptome auf BPH.
- Individuelle Therapiewahl – medikamentös, minimalinvasiv oder chirurgisch.
- Fokus auf Lebensqualität – Ziel ist die Wiederherstellung normalen Wasserlassens.
Was ist Benigne Prostatahyperplasie
Die Prostata ist eine walnussgroße Drüse unterhalb der Blase, die die Harnröhre umgibt. Mit der Zeit vergrößert sich die Prostata natürlich (Hyperplasie) und kann die Harnröhre einengen, wodurch der Harnfluss behindert wird. Diese gutartige Vergrößerung wird als BPH bezeichnet.
BPH betrifft schätzungsweise 5–6% der Männer im Alter von 40–64 Jahren und 29–33% der Männer ab 65 Jahren. Die Prostata wächst das gesamte Leben – aber Geschwindigkeit und Auswirkungen variieren erheblich.
BPH, LUTS & BPO — Moderne EAU-Terminologie
Die EAU 2026 unterscheidet drei Begriffe: BPH (histologische Diagnose — nur mikroskopisch feststellbar), LUTS (die klinischen Beschwerden des Patienten) und BPO (benigne Prostatobstruktion — die urodynamisch bestätigte Obstruktion, die tatsächlich behandelt wird).
BPH ≠ Prostatakrebs. BPH entwickelt sich nicht zu Prostatakrebs. Beide können jedoch gleichzeitig vorliegen — weshalb PSA-Test und DRU bei jedem Patienten mit LUTS wichtig bleiben.
Ursachen & Risikofaktoren
BPH entsteht durch hormonelle Veränderungen im Zusammenhang mit dem Altern:
Alter
Der wichtigste Risikofaktor. BPH ist vor dem 40. Lebensjahr selten – die Häufigkeit steigt nach dem 60. Lebensjahr stark an.
Hormonelle Veränderungen
Verschiebungen im Testosteron/Östrogen-Verhältnis mit dem Alter und die Anreicherung von Dihydrotestosteron (DHT) im Prostatagewebe treiben die Drüsenproliferation an.
Familienanamnese
Männer mit einem Vater oder Bruder mit BPH entwickeln die Erkrankung tendenziell früher und mit stärkerer Vergrößerung.
Metabolisches Syndrom / Adipositas
Diabetes, Bluthochdruck und erhöhter BMI sind mit einem höheren Risiko für symptomatische BPH verbunden.
Symptome & Klinische Präsentation
BPH verursacht Symptome des unteren Harntrakts (LUTS), eingeteilt in:
Speichersymptome
Häufiger Harndrang (>8-mal/Tag), Nykturie (≥2-mal/Nacht), imperativer Harndrang (Drangsymptomatik), Gefühl unvollständiger Blasenentleerung.
Miktionssymptome
Schwacher oder unterbrochener Harnstrahl, Startschwierigkeiten (Harnstottern), verlängerte Miktion, Nachträufeln.
Postmiktionssymptome
Gefühl unvollständiger Entleerung, Nachträufeln.
BPH oder Prostatakrebs? — Die Symptome können identisch sein
Die Harnsymptome der BPH sind dieselben, die bei fortgeschrittenem Prostatakrebs auftreten können. Der entscheidende Unterschied: Prostatakrebs im frühen, heilbaren Stadium ist symptomlos. Deshalb ist eine ordnungsgemäße Beurteilung obligatorisch:
- PSA-Blutuntersuchung bei jedem neuen Patienten mit LUTS.
- Digitale rektale Untersuchung (DRU) zur Beurteilung der Prostatabeschaffenheit.
- Schreiben Sie Harnsymptome niemals ohne urologische Abklärung der BPH zu.
IPSS-Score — Symptomschwere
Der International Prostate Symptom Score (IPSS) ist der standardisierte Fragebogen zur Beurteilung der LUTS-Schwere. Er umfasst 7 Fragen (0–5 Punkte/Frage) + 1 Frage zur Lebensqualität:
IPSS 0–7
Milde SymptomeAktive BeobachtungRegelmäßige Kontrollen ohne sofortige Behandlung. Lebensstiländerungen (Koffein/Alkohol reduzieren, Flüssigkeitszufuhr abends einschränken, Doppelmiktion).
IPSS 8–19
Moderate SymptomeMedikamentöse TherapieAlphablocker ± 5-Alpha-Reduktase-Hemmer ± Tadalafil 5 mg/Tag. Wiedervorstellung in 4-6 Wochen.
IPSS 20–35
Schwere SymptomeChirurgische BeurteilungAbklärung für TURP, HoLEP oder minimalinvasive Verfahren. Dringende Behandlung bei Komplikationen.
Diagnostische Abklärung
Standardbeurteilung eines Mannes mit LUTS:
Anamnese & IPSS-Score
Detaillierte Symptomanamnese, aktuelle Medikamente, Miktionsprotokoll. Ausfüllen des IPSS-Fragebogens.
PSA & Digitale Rektale Untersuchung
Krebsausschluss. PSA-Dichte (PSA/Prostatavolumen) zur Risikobeurteilung. DRU zur Einschätzung von Größe und Konsistenz.
Ultraschall des Harntrakts
Messung des Prostatavolumens. Restharnbestimmung (Post-Void Residual – PVR). Nierenbeurteilung auf Hydronephrose.
Urodynamik (ausgewählte Fälle)
Bei Unsicherheit über den Grad der Obstruktion versus schwachem Detrusormuskel – vor der Entscheidung zwischen medikamentöser und chirurgischer Behandlung.
Behandlungsoptionen
Die Therapie wird nach Symptomschwere, Prostatagröße und Vorliegen von Komplikationen gewählt:
Aktive Beobachtung & Lebensstiländerungen
Bei IPSS 0-7 ohne Komplikationen. Koffein/Alkohol reduzieren, Flüssigkeit abends einschränken, Doppelmiktion, regelmäßige moderate Bewegung. Jährliche Kontrolle.
Medikamentöse Therapie
Alphablocker (Tamsulosin, Silodosin) zur schnellen Verbesserung des Harnflusses. 5-Alpha-Reduktase-Hemmer (Finasterid, Dutasterid) zur Verkleinerung der Prostata >40 mL – 3-6 Monate bis zur vollen Wirkung. Kombinationstherapie ± Tadalafil 5 mg/Tag bei LUTS + erektiler Dysfunktion.
Minimalinvasive Verfahren (MiSTs)
UroLift (PUL): mechanische Gewebeanhebung — keine Hitze, erhält Ejakulation, ambulant. Rezūm (Wasserdampftherapie): gezielte Dampfablation des Prostatagewebe. iTIND: temporäres Nitinol-Gerät zur Umgestaltung der Harnröhre. PAE (Prostataarterie-Embolisation): für ausgewählte Patienten. Geeignet bei Prostata 30–80 mL ohne großen Mittellappen.
Chirurgische Behandlung — TURP / HoLEP / Aquablation
TURP (bipolar): Goldstandard für Prostatavolumen 30–80 mL. HoLEP (Holmium-Laser-Enukleation): für alle Größen einschließlich >100 mL — dauerhafte Ergebnisse >15 Jahre, minimale Blutung. Aquablation (robotergestützte Wasserstrahl-Ablation): neue Technologie mit Erhalt der Ejakulation bei einem hohen Patientenanteil. Offene/robotergestützte einfache Prostatektomie (RASP) bei sehr großen Prostaten (>100–150 mL).
Komplikationen & Wann zum Urologen
Wenn BPH unbehandelt bleibt, können Komplikationen entstehen:
- Akuter Harnverhalt – völlige Unfähigkeit zu urinieren, erfordert notfallmäßige Katheterisierung.
- Wiederkehrende Harnwegsinfektionen (HWI).
- Blasensteine (durch Harnstau).
- Nierenschäden durch chronischen Harnverhalt (Hydronephrose).
- Hämaturie (Blut im Urin) – erfordert urologische Abklärung.
Sofort zum Urologen wenn:
- Sie überhaupt nicht urinieren können (Notfall).
- Sie Blut im Urin bemerken.
- Sie Fieber zusammen mit Harnsymptomen entwickeln (mögliche Infektion/Abszess).
- Ihre Symptome sich plötzlich deutlich verschlechtern.
Nachsorge & Prognose
BPH ist eine chronische Erkrankung, die regelmäßige Überwachung erfordert:
- Jährliche urologische Kontrolle: IPSS-Score + Restharn + PSA.
- Beurteilung der medikamentösen Therapiewirksamkeit nach 4-6 Wochen.
- Bei aktiver Beobachtung: Wiedervorstellung alle 6-12 Monate.
- Nach Operation: Kontrolle nach 4-6 Wochen, danach jährlich.
Prognose
Mit geeigneter Behandlung erreicht die große Mehrheit der Männer eine zufriedenstellende Miktionsqualität. Nach TURP/HoLEP erleben >85% eine signifikante IPSS-Verbesserung. Medikamentöse Therapie kontrolliert die Symptome in den meisten leichten bis mäßigen Fällen, kehrt jedoch die anatomische Vergrößerung nicht um.
Häufige Fragen (FAQ)
Ist benigne Prostatahyperplasie dasselbe wie Prostatakrebs?
Nein. BPH ist eine gutartige (nicht krebsartige) Vergrößerung der Prostata. Sie entwickelt sich nicht zu Prostatakrebs. Beide Erkrankungen können jedoch gleichzeitig vorliegen und ähnliche Harnsymptome verursachen – weshalb eine PSA-Untersuchung und klinische Beurteilung bei jedem Mann mit LUTS notwendig sind.
Führt eine größere Prostata immer zu stärkeren Symptomen?
Nicht zwingend. Die Schwere der Symptome hängt davon ab, wo das vergrößerte Gewebe auf die Harnröhre drückt, nicht nur vom Prostatavolumen. Eine mäßig vergrößerte Prostata in strategischer Lage kann eine stärkere Obstruktion verursachen als eine sehr große. IPSS-Score und Restharnmessung sind zuverlässigere Indikatoren als die Größe allein.
Was ist der Unterschied zwischen Alphablockem und 5-Alpha-Reduktase-Hemmern?
Alphablocker (z.B. Tamsulosin, Silodosin) entspannen die glatte Muskulatur des Blasenhalses und der Harnröhre – sie bewirken schnelle Linderung innerhalb von 1-2 Wochen, verkleinern die Prostata jedoch nicht. 5-Alpha-Reduktase-Hemmer (Finasterid, Dutasterid) reduzieren tatsächlich die Prostatagröße durch DHT-Blockade – benötigen aber 3-6 Monate für volle Wirkung und wirken am besten bei Prostata >40 mL. Häufig werden beide kombiniert.
Kann eine BPH-Operation ambulant durchgeführt werden?
Oft ja. UroLift und Rezūm werden typischerweise ambulant in Lokalanästhesie durchgeführt. TURP und HoLEP erfordern einen kurzen Krankenhausaufenthalt (1-2 Tage), bieten aber dauerhaftere Ergebnisse. Die Wahl des Eingriffs hängt von Prostatagröße, Anatomie und allgemeinem Gesundheitszustand ab.
Brauche ich nach der Operation einen Katheter oder werde ich inkontinent?
Nach TURP oder HoLEP wird postoperativ ein Harnkatheter für 1-2 Tage eingelegt. Vorübergehende Harndrangsymptome oder leichter Harnverlust sind häufig, bilden sich aber meist innerhalb weniger Wochen zurück. Minimalinvasive Methoden (UroLift/Rezūm) haben eine schnellere Erholung und ein minimales Inkontinenzrisiko.
Beeinflusst BPH die Erektionsfähigkeit?
BPH selbst verursacht keine erektile Dysfunktion. Bestimmte Medikamente (Finasterid selten) und chirurgische Eingriffe (TURP/HoLEP) sind jedoch mit retrograder Ejakulation in 60-90% der Fälle verbunden. Minimalinvasive Techniken erhalten in der Regel die anterograde Ejakulation. Tadalafil 5 mg/Tag behandelt gleichzeitig LUTS und erektile Dysfunktion.
Kann ich die BPH-Behandlung hinauszögern?
Ja, wenn die Symptome mild sind (IPSS 0-7) und keine Komplikationen vorliegen. Aktive Beobachtung mit Lebensstiländerungen ist sicher. Wenn jedoch Komplikationen auftreten – Harnverhalt, wiederkehrende Infektionen, Blasensteine oder Nierenschäden – wird eine Behandlung dringend notwendig.
Welche Lebensstiländerungen helfen bei BPH-Symptomen?
Reduktion von Koffein und Alkohol (besonders abends), Einschränkung der Flüssigkeitsaufnahme nach 18 Uhr, Doppelmiktion (zweimaliges Versuchen des Wasserlassens in Folge), Vermeidung von Medikamenten, die den Harnverhalt verschlechtern (bestimmte Antihistaminika, Erkältungsmittel), sowie regelmäßige moderate körperliche Aktivität.
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Literatur – Quellen
- EAU-Leitlinien zur Behandlung von LUTS 2026 — uroweb.org
- AUA-Leitlinie zur BPH-Behandlung 2024 — auanet.org
- Sakalis V, et al. EAU Guidelines on Management of Non-Neurogenic Male LUTS. Eur Urol 2025;87:doi:10.1016/j.eururo.2025.04.025
- McVary KT, et al. Update on AUA Guideline on the Management of BPH. J Urol 2011;185:1793–803.
- NIDDK: Prostate Enlargement (Benign Prostatic Hyperplasia) — niddk.nih.gov
Ärztliche Redaktion

Dr. Marinos Vasilas, Urologe – Androloge
Dr. Marinos Vasilas betreibt eine private urologische Praxis in Rhodos mit Schwerpunkt auf Diagnose und Behandlung der benignen Prostatahyperplasie nach dem schrittweisen Ansatz der EAU 2026 mit individuellem Therapieplan für jeden Patienten.
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