Mein klinisches Vorgehen
Genitales Molluscum contagiosum bei Erwachsenen erfordert therapeutische Intervention, um die Übertragung auf den Partner und Autoinokulation zu verhindern.
Gemäß den Leitlinien von EAU STI 2024, CDC STI 2021 und IUSTI 2020:
- Vollständige genitale und perigenitale Inspektion — Suche nach allen Läsionen.
- Dermatoskopie in unklaren oder atypischen Fällen.
- Differentialdiagnose von Genitalwarzen, perlmuttartigen Penispapeln, Basalzellkarzinom.
- Screening auf andere STIs (HIV, Syphilis, Hepatitis B/C, Chlamydien, Gonorrhoe) — insbesondere bei multiplen Partnern.
- Bei ausgedehnten oder atypischen Läsionen: Beurteilung des Immunstatus (HIV-Test).
- Partnerbenachrichtigung und klinische Untersuchung.
- Beratung zur Vermeidung von Kratzen und Rasur des Bereichs.
Was ist Molluscum contagiosum
Molluscum contagiosum (Dellwarzen) ist eine gutartige Hautinfektion, verursacht durch das Molluscum-contagiosum-Virus (MCV), Mitglied der Familie Poxviridae (DNA-Virus). Das Virus infiziert ausschließlich die Epidermis.
Es gibt 4 Typen (MCV-1 bis MCV-4). MCV-1 ist insgesamt am häufigsten (vor allem bei Kindern), MCV-2 verursacht hauptsächlich die sexuell übertragbaren Infektionen bei Erwachsenen.
Die Erkrankung ist weltweit verbreitet. Höhere Prävalenz bei Kindern 1-10 Jahre, sexuell aktiven Erwachsenen und immunsupprimierten Personen (HIV, Transplantation, Chemotherapie).
Übertragung & Epidemiologie
- Direkter Haut-zu-Haut-Kontakt — Hauptübertragungsweg.
- Sexuelle Übertragung bei Erwachsenen mit genitaler Lokalisation.
- Autoinokulation: Ausbreitung durch Kratzen oder Rasur des betroffenen Bereichs.
- Indirekte Übertragung: gemeinsam genutzte Handtücher, Sportgeräte, Schwämme.
- Schwimmbäder, Saunen, Fitnessstudios — epidemiologisch hauptsächlich bei Kindern relevant.
- Inkubationszeit 2 Wochen - 6 Monate (Mittel 2-3 Monate).
- Dauer der Ansteckungsfähigkeit: solange sichtbare Läsionen vorhanden sind.
- Erhöhtes Risiko: atopische Dermatitis (Hautbarriere), Immunsuppression, sexuell aktiv.
Klinisches Bild
Größe
2-5 mm im Durchmesser. Bei Immunsuppression können sie 10-15 mm erreichen (Riesendellwarzen).
Form
Runde, kuppelförmige Papeln mit charakteristischer zentraler Eindellung (Delle).
Farbe
Weißlich, cremefarben oder rosa. Glänzende Oberfläche.
Anzahl
1-30 bei Immunkompetenten, Hunderte bei Immunsuppression.
Lokalisationen bei Erwachsenen:
- Penis (Schaft, Glans), Skrotum.
- Pubis, Oberschenkel, Unterbauch.
- Perianaler und analer Bereich (häufig bei MSM).
- Selten in der Harnröhre oder im Mund.
- Im Gesicht und an Augenlidern — Verdacht auf fortgeschrittene HIV-Infektion.
Symptome: meist asymptomatisch. Selten Juckreiz, Ekzematisierung um die Läsionen (Molluscum-Dermatitis), sekundäre bakterielle Infektion durch Kratzen.
Diagnose
Klinische Untersuchung
Inspektion des gesamten Genital-, Pubis- und perigenitalen Bereichs bei guter Beleuchtung. Suche nach charakteristischer Eindellung.
Dermatoskopie
Zeigt zentrale Eindellung (Krone kleiner Gefäße, "polylobulierte weißliche Struktur") — sehr sensitiv und spezifisch.
Differentialdiagnose
Von Genitalwarzen (exophytisch, ohne Eindellung), perlmuttartigen Penispapeln (kreisförmig an der Corona), Fordyce-Flecken, Basalzellkarzinom.
Biopsie
Selten erforderlich — nur bei atypischen, ausgedehnten oder resistenten Läsionen. Histologie: Henderson-Patterson-Körper (virale Einschlüsse).
STI-Screening
Serologisches Screening auf HIV, Syphilis, Hepatitis B/C. Urethrale PCR auf Chlamydien und Gonorrhoe.
HIV-Test
Bei ausgedehnten (>30 Läsionen), riesigen oder resistenten Läsionen oder Gesichtslokalisation — starker Verdacht auf Immunsuppression.
Therapie
Bei immunkompetenten Erwachsenen ist die Erkrankung selbstlimitierend (6-12 Monate), aber eine Behandlung wird bei genitaler Lokalisation zur Vermeidung der Übertragung empfohlen.
Physikalische Entfernung
Kürettage — schnell, effektiv (90-95%), Lokalanästhesie. Kryotherapie mit flüssigem Stickstoff — Anwendung 6-10 sec pro Läsion, Sitzungen alle 2-3 Wochen, Clearance-Rate 70-90%. Elektrodessikation bei resistenten Läsionen.
Topische pharmakologische Therapien
Imiquimod 5% (off-label) — Immunmodulator, 3-mal/Woche bis zu 16 Wochen. Podophyllotoxin 0,5% — 2-mal/Tag × 3 Tage, 4-Tage-Pause. Cantharidin 0,7% (wo verfügbar) — Anwendung durch Arzt mit Wattestäbchen. Kaliumhydroxid 5-10% — Anwendung 2-mal/Tag, gute Wirksamkeit.
CO₂-Laser
Wahl bei ausgedehnten, resistenten oder bei Immunsuppression. Präzise Vaporisation mit minimaler Narbenbildung. Wirksamkeit 80-95%.
Spezielle Situationen
HIV/Immunsuppression: zahlreiche, resistente Läsionen — Kombinationstherapie (Laser + Imiquimod). Verbesserung mit antiretroviraler Therapie. Schwangerschaft: Vermeidung von Imiquimod und Podophyllotoxin — nur Kryotherapie oder Kürettage.
Prävention
- Vermeidung des Kratzens der Läsionen — Autoinokulationsrisiko.
- Vermeidung der Rasur des betroffenen Bereichs.
- Kondome — reduzieren das Risiko, beseitigen es aber nicht.
- Keine gemeinsame Nutzung von Handtüchern, Rasierern oder anderen persönlichen Gegenständen.
- Abdeckung der Läsionen mit wasserdichtem Pflaster in Schwimmbädern/Fitnessstudios.
- Partnerbenachrichtigung und -screening.
- Vermeidung sexueller Kontakte bis zur vollständigen Abheilung.
- Stärkung des Immunsystems — Rauchstopp, gute Ernährung.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Was ist Molluscum contagiosum?
Eine gutartige virale Hautinfektion, verursacht durch das Molluscum-contagiosum-Virus (MCV, Familie Poxviridae). Charakteristische Papeln mit zentraler Eindellung. Bei Erwachsenen häufig eine sexuell übertragbare Infektion.
Wie wird es übertragen?
Durch direkten Haut-zu-Haut-Kontakt (sexueller Kontakt bei Erwachsenen), Autoinokulation (durch Kratzen) und indirekt durch gemeinsam genutzte Gegenstände (Handtücher, Sportgeräte). Inkubationszeit 2 Wochen bis 6 Monate.
Wie erscheint es klinisch?
Kleine (2-5 mm) runde Papeln, weißlich-rosa, mit charakteristischer zentraler Eindellung (Delle). Bei Erwachsenen hauptsächlich im Genitalbereich, Pubis, Oberschenkel und Unterbauch lokalisiert.
Wie wird die Diagnose gestellt?
Klinisch durch Inspektion. In unklaren Fällen: Dermatoskopie (zeigt zentrale Eindellung und periphere Gefäße). Biopsie selten erforderlich (Henderson-Patterson-Körper in der Histologie).
Ist eine Behandlung erforderlich?
Bei immunkompetenten Erwachsenen ist die Erkrankung selbstlimitierend (spontane Rückbildung in 6-12 Monaten). Behandlung empfohlen bei genitaler Lokalisation (Vermeidung der Übertragung), schwerer kosmetischer Belastung oder bei Immunsuppression. Optionen: Kryotherapie, Kürettage, Elektrodessikation, Imiquimod, Podophyllotoxin.
Ist es eine sexuell übertragbare Infektion?
Bei Erwachsenen mit Läsionen im Genitalbereich gilt es als STI. Screening auf andere STIs (HIV, Syphilis, Hepatitis, Chlamydien) und Partnerbenachrichtigung empfohlen. Bei Kindern erfolgt die Übertragung nicht-sexuell (Kontakt, Spiel, Schwimmbäder).
Wie häufig ist das Rezidiv?
Rezidiv in 13-35% nach Behandlung, aufgrund von Autoinokulation oder erneuter Exposition. Bei Immunsuppression (HIV, Chemotherapie) sind die Läsionen zahlreich, ausgedehnt und behandlungsresistent.
Wie kann die Übertragung vermieden werden?
Vermeidung von Kratzen (Autoinokulation). Kondome reduzieren das Risiko. Keine gemeinsame Nutzung von Handtüchern und Rasierern. Vermeidung der Rasur des betroffenen Bereichs. Kinder: Vermeidung gemeinsamer Handtücher in Schwimmbädern.
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Wissenschaftliche Literatur
- EAU Guidelines on Sexually Transmitted Infections (2024) — uroweb.org
- Workowski KA, Bachmann LH, Chan PA, et al. CDC STI Treatment Guidelines, 2021. MMWR Recomm Rep 2021;70(4):1-187 — cdc.gov
- Edwards S, Boffa MJ, Janier M, et al. 2020 European guideline on the management of genital molluscum contagiosum. J Eur Acad Dermatol Venereol 2021;35(1):17-26 — pubmed.ncbi.nlm.nih.gov
- van der Wouden JC, van der Sande R, Kruithof EJ, et al. Interventions for cutaneous molluscum contagiosum. Cochrane Database Syst Rev 2017;5:CD004767 — pubmed.ncbi.nlm.nih.gov
- Chen X, Anstey AV, Bugert JJ. Molluscum contagiosum virus infection. Lancet Infect Dis 2013;13(10):877-88 — pubmed.ncbi.nlm.nih.gov
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Dr. Marinos Vasilas, Urologe – Androloge
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