Morbus Peyronie

Fachärztliche Diagnostik und Therapie für Morbus Peyronie. Dr. Marinos Vasilas — Urologe auf Rhodos, Griechenland.

Νόσος Peyronie - Πεϊκή Κάμψη | Ουρολόγος Ρόδος
Dr. Marinos Vasilas23. April 202612 Min. Lesezeit

Schnelle Antwort

Morbus Peyronie ist eine fibrotische Erkrankung der Tunica albuginea der Schwellkörper mit Bildung einer fibrösen Plaque, die zu Erektionsverkrümmung, Schmerzen und häufig zu Erektionsstörungen führt. Die Erkrankung verläuft in einer aktiven Phase (6–18 Monate, Schmerzen + Progression) und einer stabilen Phase(Verkrümmung stabilisiert). Behandlung konservativ in der aktiven Phase, injektabel (CCH, Verapamil) oder chirurgisch (Plikatur, Transplantat, Prothese) in der stabilen Phase.

Mein klinisches Vorgehen

Morbus Peyronie ist sowohl psychisch belastend als auch anatomisch. Viele Patienten kommen mit Schuldgefühlen ("habe ich etwas falsch gemacht?") oder Scham. Die korrekte Behandlung kombiniert: klare Aufklärung über den natürlichen Verlauf, individualisierte Therapie je nach Phase, und Anerkennung der psychischen Belastung.

In meiner Praxis folge ich den Leitlinien der EAU 2024 Sexual & Reproductive Health und AUA Peyronie's Disease 2015 (bestätigt 2023):

  • Unterscheidung aktive/stabile Phase vor jeder therapeutischen Entscheidung.
  • Penisduplex mit pharmakologischer Induktion zur objektiven Verkrümmungsmessung.
  • Konservative Vorgehensweise in der aktiven Phase — niemals operieren.
  • Injektable CCH oder Verapamil in ausgewählten Fällen (Verkrümmung 30–90°, ohne Sanduhr).
  • Chirurgie in der stabilen Phase: Plikatur bei leichteren, Transplantat bei größeren Verkrümmungen, Prothese bei begleitender ED.
  • Psychologische Unterstützung — wir besprechen systematisch die Auswirkungen auf die Beziehung.

Was ist Morbus Peyronie?

Morbus Peyronie (Induratio penis plastica) ist eine gutartige fibrotische Erkrankung der Tunica albuginea der Schwellkörper. Sie ist gekennzeichnet durch die Bildung einer fibrösen Plaque, die zu Folgendem führt:

  • Penisverkrümmung bei Erektion (überwiegend dorsal).
  • Schmerzen (aktive Phase).
  • Penisverkürzung.
  • "Sanduhr"- oder "Scharnier"-Deformität.
  • Erektionsstörung (bei 30–50% der Patienten).
  • Schwierigkeiten oder Unmöglichkeit des Geschlechtsverkehrs in schweren Fällen.

Phasen der Erkrankung

Aktive / entzündliche Phase

Dauer: 6–18 Monate ab Symptombeginn.

  • Schmerzen (vor allem bei Erektion)
  • Progressive Verkrümmung
  • Plaque-Bildung/-Progression
  • Zunehmende Deformität

Keine Operation in dieser Phase.

Stabile Phase

Üblicherweise nach 12 Monaten, ohne Veränderungen über 3–6 Monate.

  • Schmerzen abgeklungen
  • Verkrümmung stabilisiert
  • Reife Plaque (häufig verkalkt)
  • Häufiges Auftreten von ED

Operation in dieser Phase möglich.

Ursachen und Risikofaktoren

Die genaue Ätiologie bleibt unbekannt. Vorherrschende Theorie: wiederholte Mikrotraumata der Tunica beim Geschlechtsverkehr bei genetisch prädisponierten Personen, mit pathologischer Wundheilung und Entwicklung einer fibrösen Plaque.

  • Diabetes mellitus (mit Schweregrad korreliert).
  • Dupuytren-Kontraktur (Handfläche) — gemeinsames Auftreten 15–20%.
  • Plantarfibromatose (Morbus Ledderhose).
  • Positive Familienanamnese.
  • Autoimmunerkrankungen.
  • Radikale Prostatektomie — Assoziation 11–16%.
  • Hypertonie, Hyperlipidämie, Rauchen.

Symptome

Körperlich

  • Tastbare Plaque
  • Erektionsverkrümmung (dorsal in 70%)
  • Schmerzen (aktive Phase)
  • Penisverkürzung
  • "Sanduhr"-Deformität
  • Erektionsstörung
  • Unfähigkeit zum Geschlechtsverkehr

Psychosozial

  • Angst, Depression
  • Vermindertes Selbstwertgefühl
  • Sexuelle Vermeidung
  • Belastung der Partnerschaft
  • Angst vor irreversiblem Schaden

Diagnose

1

Detaillierte Anamnese

Symptombeginn, Verkrümmungsverlauf, Schmerzen, Erektionsfunktion (IIEF-5), psychosoziale Auswirkungen.

2

Klinische Untersuchung

Plaque-Palpation (Lokalisation, Größe, Anzahl), Beurteilung der Penislänge.

3

Fotografische Dokumentation

Selbstfotografien des Patienten in Erektion aus 3 Ansichten (oben, seitlich, frontal) oder pharmakologisch induzierte Untersuchung in der Praxis.

4

Penisduplex mit pharmakologischer Induktion

Plaque-Kartierung, Suche nach Verkalkungen, Beurteilung der arteriellen/venösen Hämodynamik.

5

ED-Beurteilung

IIEF-5, hormoneller Status (Testosteron) bei ausgewählten Patienten.

Behandlungsoptionen

Die Behandlung wird je nach Krankheitsphase, Schweregrad der Verkrümmung, Vorliegen einer ED und Auswirkung auf das Sexualleben individualisiert.

Konservativ (aktive Phase)

Beobachtung, NSAR gegen Schmerzen. Orales Vitamin E, Pentoxifyllin, L-Carnitin — begrenzte Daten, vorsichtige Empfehlung. Penile Traction Therapy: 30 Min.–8 Std./Tag, Verkrümmungsreduktion um 10–20°.

Intraläsionale Injektionstherapien

Kollagenase Clostridium histolyticum (CCH, Xiapex): FDA/EMA-zugelassen, für Verkrümmungen 30–90° ohne Sanduhrdeformität. Protokoll: 4 Zyklen × 2 Injektionen, mittlere Verkrümmungsreduktion ~17°.
Intraläsionales Verapamil: 10 mg alle 2 Wochen × 12 Injektionen. Günstiger, weniger Daten, mäßige Wirksamkeit.

Niedrigenergetische Stoßwellentherapie (Li-ESWT)

Nur gegen Schmerzen in der aktiven Phase. Reduziert weder Verkrümmung noch Plaque-Größe. EAU: "kann angeboten werden" gegen Schmerzen, nicht zur Verkrümmungsbehandlung.

Chirurgische Therapie

Eine Operation wird nur in der stabilen Phase angeboten (12+ Monate, ohne Veränderungen über 3–6 Monate), wenn die Verkrümmung >30° beträgt oder den Geschlechtsverkehr behindert.

1. Tunica-Plikatur (Nesbit / Yachia / Plikaturen)

Bei Verkrümmungen <60°, guter Erektionsfunktion, ohne Sanduhrdeformität. Plikatur der konvexen Seite zur Begradigung. Erfolgsrate >85%. Komplikation: Penisverkürzung (1–3 cm).

2. Plaque-Inzision/-Exzision mit Transplantat

Bei Verkrümmungen >60°, Sanduhrdeformität oder sehr kurzem Penis. Plaque-Exzision oder multiple Inzisionen + Transplantat (Rinderperikard, autologe Vene oder synthetisch). Längenerhalt, jedoch ED-Risiko 15–20%.

3. Penisprothese

Bei begleitender schwerer therapierefraktärer ED. Korrigiert ED + Verkrümmung gleichzeitig. Üblicherweise 3-teilige hydraulische Prothese. Zufriedenheit 80–90%.

Prognose und Genesung

  • Tunica-Plikatur: 1 Tag stationär, 4–6 Wochen Genesung, 6 Wochen sexuelle Karenz.
  • Exzision mit Transplantat: 1–2 Tage stationär, 6–8 Wochen Genesung, 6–8 Wochen Karenz.
  • Penisprothese: 1–2 Tage stationär, Aktivierung 4–6 Wochen postoperativ.
  • Natürlicher Verlauf ohne Behandlung: ~12% spontane Besserung, ~40% Stabilisierung, ~48% Verschlechterung.
  • Plikatur-Erfolg: &gt;85% Zufriedenheit, leichte Verkürzung 1–3 cm.
  • CCH (Xiapex): mittlere Verkrümmungsreduktion ~17°.
  • Penisprothese: 80–90% Zufriedenheit.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Was ist Morbus Peyronie?

Morbus Peyronie (Induratio penis plastica) ist eine gutartige fibrotische Erkrankung der Tunica albuginea der Schwellkörper, die durch die Bildung einer harten fibrösen Plaque gekennzeichnet ist. Die Plaque verursacht Penisverkrümmung bei der Erektion, Schmerzen und — bei vielen Patienten — Erektionsstörungen.

Wie häufig ist die Erkrankung?

Die Prävalenz wird auf 3–9% bei erwachsenen Männern geschätzt, ist aber wahrscheinlich unterdiagnostiziert. Häufigkeitsgipfel zwischen 50–60 Jahren, kann jedoch auch bei jüngeren Männern auftreten.

Was sind die wichtigsten Symptome?

Tastbare Plaque am Penis, Verkrümmung bei der Erektion (meist dorsal), Schmerzen (vorwiegend in der aktiven Phase), Penisverkürzung, Erektionsstörung, Schwierigkeiten oder Unfähigkeit zum Geschlechtsverkehr, psychische Belastung.

Was sind die Ursachen?

Die genaue Ursache ist unbekannt. Vorherrschende Theorie: wiederholte Mikrotraumata beim Geschlechtsverkehr bei genetisch prädisponierten Personen, mit pathologischer Wundheilung und Bildung einer fibrösen Plaque. Risikofaktoren: Diabetes, Dupuytren-Kontraktur, Autoimmunerkrankungen, positive Familienanamnese.

Wie wird die Diagnose gestellt?

Klinische Untersuchung (Plaque-Palpation), Verkrümmungsanamnese, Selbstfotografie der Erektion oder pharmakologisch induzierte Untersuchung. Penisduplexsonographie zur Plaque-Kartierung, Verkalkung und hämodynamischen Beurteilung.

Was sind die Behandlungsmöglichkeiten?

Konservativ: Beobachtung, NSAR, Vitamin E (begrenzte Evidenz). Injektionstherapie: Kollagenase Clostridium histolyticum (CCH) oder intraläsionales Verapamil. Chirurgisch (stabile Phase): Tunica-Plikatur (Nesbit), Plaque-Exzision/-Inzision mit Transplantat oder Penisprothese bei begleitender ED.

Wann ist eine Operation erforderlich?

Nur in der stabilen Phase (üblicherweise 12+ Monate nach Beginn), wenn: die Verkrümmung &gt;30° beträgt, der Geschlechtsverkehr behindert wird oder eine begleitende therapierefraktäre Erektionsstörung vorliegt. In der aktiven Phase wird nicht operiert.

Kann die Erkrankung nach der Behandlung wiederkehren?

Die chirurgische Korrektur der Verkrümmung hat in der stabilen Phase hohe Erfolgsraten (&gt;85%). Die fibröse Plaque verschwindet nicht, aber die Verkrümmung wird korrigiert. Mögliche Komplikationen: Penisverkürzung, geringe Sensibilitätsstörung, ED in 5–15%.

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Wissenschaftliche Literatur

  1. EAU Guidelines on Sexual and Reproductive Health (2024) — Peyronie's Disease — uroweb.org
  2. Nehra A, Alterowitz R, Culkin DJ, et al. Peyronie's Disease: AUA Guideline. J Urol 2015;194(3):745-53 (reaffirmed 2023) — auanet.org
  3. Gelbard M, Goldstein I, Hellstrom WJ, et al. Clinical efficacy, safety and tolerability of collagenase clostridium histolyticum for the treatment of peyronie disease in 2 large double-blind, randomized, placebo controlled phase 3 studies. J Urol 2013;190(1):199-207 — pubmed.ncbi.nlm.nih.gov
  4. Mulhall JP, Schiff J, Guhring P. An analysis of the natural history of Peyronie's disease. J Urol 2006;175(6):2115-8 — pubmed.ncbi.nlm.nih.gov
  5. Levine LA, Burnett AL. Standard operating procedures for Peyronie's disease. J Sex Med 2013;10(1):230-44 — pubmed.ncbi.nlm.nih.gov

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