Morbus Mondor

Fachärztliche Diagnostik und Therapie für Morbus Mondor. Dr. Marinos Vasilas — Urologe auf Rhodos, Griechenland.

Νόσος Mondor - Θρομβοφλεβίτιδα Πέους | Ουρολόγος Ρόδος
Dr. Marinos Vasilas23. April 20268 Min. Lesezeit

Schnelle Antwort

Der Morbus Mondor des Penis ist eine oberflächliche Thrombophlebitis der dorsalen Penisvene. Er zeigt sich als tastbarer harter Strang mit leichten Schmerzen. Es ist eine gutartige, selbstlimitierende Erkrankung, die in 4–8 Wochen mit NSAR, warmen Umschlägen und sexueller Abstinenz abheilt.

Mein klinisches Vorgehen

Der penile Morbus Mondor ist eine häufig unterdiagnostizierte Erkrankung. Viele Patienten präsentieren sich mit großer Sorge in dem Glauben, sie hätten Morbus Peyronie oder eine schwere Erkrankung. Mein Ziel ist schnelle Beruhigung mit klarer Diagnose und Aufklärung.

In meiner Praxis folge ich den Leitlinien der EAU SRH 2024 für Differentialdiagnose und Behandlung:

  • Klinische Palpation und Erkennung des charakteristischen harten Stranges.
  • Bestätigung mit farbkodiertem Penisduplex — fehlender Fluss in der Vene.
  • Differentialdiagnose von Morbus Peyronie und sklerosierender Lymphangitis.
  • Konservative Therapie — Vermeidung unnötiger Eingriffe.
  • Hyperkoagulabilitätsabklärung nur bei Rezidiv oder atypischer Präsentation.
  • Beruhigende Aufklärung und klarer Reevaluationsplan.

Was ist Morbus Mondor

Der Morbus Mondor ist eine oberflächliche Thrombophlebitis, die ursprünglich von Henri Mondor 1939 in Venen der Brustwand beschrieben wurde. Am Penis betrifft sie die oberflächliche dorsale Penisvene.

Es handelt sich um eine seltene Entität — Prävalenz 1,4% bei erwachsenen Männern. Tritt meist im Alter von 20–40 Jahren auf, mit anamnestisch heftiger oder lang anhaltender sexueller Aktivität. Der Verlauf ist selbstlimitierend und die Prognose ausgezeichnet.

Ursachen und Risikofaktoren

  • Heftiger oder lang anhaltender Geschlechtsverkehr (häufigste Ursache).
  • Längere sexuelle Abstinenz mit plötzlicher Wiederaufnahme.
  • Penistrauma (mechanisch, nach Manipulation).
  • Iatrogen: nach Penisbiopsie, Doppler, Katheterisierung.
  • Infektionen (Urethritis — selten).
  • Pelvine oder hypogastrische Operation.
  • Hyperkoagulabilität (Abklärung nur bei Rezidiv): Faktor-V-Leiden, Antiphospholipid-Antikörper.
  • Penis- oder Lymphsystem-Neoplasien (selten).

Symptome und klinisches Bild

  • Tastbare harte, strangartige Schwellung an der Dorsalseite des Penis.
  • Leichter Schmerz oder Beschwerden (intensiver Schmerz ist ungewöhnlich).
  • Rötung oder lokale Wärme der überliegenden Hautoberfläche.
  • Beschwerden während Erektion oder Geschlechtsverkehr.
  • Fehlen systemischer Symptome (Fieber, Unwohlsein).
  • Beginn häufig wenige Stunden bis Tage nach heftigem Verkehr.
  • Der Strang ist fixiert, nicht wandernd, nicht pulsierend.

Diagnose

1

Detaillierte Anamnese

Symptombeginn, Beziehung zu sexueller Aktivität/Abstinenz/Trauma, frühere Episoden, Thrombose-Anamnese (TVT, Lungenembolie), Medikamente.

2

Körperliche Untersuchung

Tastbarkeit der charakteristischen harten, strangartigen Schwellung entlang der Dorsalseite des Penis. Hautinspektion, Beurteilung lokaler Entzündungszeichen.

3

Farbkodierter Penisduplex

Diagnostikum der Wahl. Bestätigt fehlenden Fluss in der oberflächlichen dorsalen Vene — Thrombose. Schließt Morbus Peyronie oder Lymphangitis aus.

4

Hyperkoagulabilitätsabklärung

Bei einer einzelnen Episode nicht erforderlich. Indiziert nur bei rezidivierender Erkrankung oder Patienten mit anderen thrombotischen Ereignissen in der Anamnese: Faktor-V-Leiden, Prothrombin-G20210A-Mutation, Antithrombin III, Proteine C/S, Antiphospholipid-Antikörper.

Differentialdiagnose

Morbus Peyronie

Fibröse Plaque in der Tunica albuginea der Schwellkörper mit Penisverkrümmung bei Erektion. Nicht entlang der Vene lokalisiert.

Sklerosierende Lymphangitis

Lymphgefäßschwellung am Sulcus coronarius, schmerzlos, selbstlimitierend. Doppler zeigt Lymphgefäß, nicht Vene.

Penile Lymphozele

Lymphflüssigkeitsansammlung nach Trauma oder Operation. Weiche tastbare Hernie, kein harter Strang.

Urethritis

Harnröhrenausfluss, Dysurie, Brennen. Erzeugt keinen tastbaren Strang an der Dorsalseite.

Therapie

Die Behandlung ist konservativ — die Erkrankung ist selbstlimitierend und heilt in der Regel in 4–8 Wochen ab:

  • NSAR (Ibuprofen 400–600 mg alle 8 Stunden) für 7–14 Tage.
  • Lokale warme Umschläge 2–3 Mal täglich.
  • Sexuelle Abstinenz für 4–6 Wochen.
  • Vermeidung intensiver körperlicher Aktivität in der akuten Phase.
  • Antikoagulationstherapie selten — nur bei Rezidiv oder dokumentierter Hyperkoagulabilität (oberflächliche Vene, niedriges Risiko).
  • Antibiotika nur bei klarer Infektion (seltene Indikation).
  • Reevaluation nach 4 und 8 Wochen — Kontrolle der Rückbildung.
  • Hyperkoagulabilitätsabklärung bei rezidivierenden Episoden.

Prognose und Verlauf

  • Vollständige Rückbildung in 4–8 Wochen in der überwiegenden Mehrheit.
  • Keine Restschäden (Verkrümmung, Erektionsstörung).
  • Sexualfunktion kehrt vollständig zurück.
  • Erhöht nicht das Risiko einer tiefen Venenthrombose oder Lungenembolie.
  • Rezidiv bei <5% — Hyperkoagulabilitätsabklärung indiziert.
  • Insgesamt ausgezeichnete Prognose.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Was ist Morbus Mondor des Penis?

Es handelt sich um eine oberflächliche Thrombophlebitis der dorsalen Penisvene. Sie zeigt sich als tastbare strangartige Verhärtung an der Dorsalseite des Penis mit leichten Schmerzen. Es ist eine selbstlimitierende Erkrankung ohne systemische Symptome.

Ist es eine ernste Erkrankung?

Nein. Morbus Mondor ist gutartig und selbstlimitierend. Er heilt in der Regel innerhalb von 4–8 Wochen mit konservativer Behandlung ab. Er erhöht nicht das Risiko einer systemischen Thrombose oder Lungenembolie.

Was sind die Ursachen?

Heftiger/lang anhaltender Geschlechtsverkehr, längere sexuelle Abstinenz, Penistrauma (nach Untersuchung/Biopsie/Doppler), selten Verbindung mit Hyperkoagulabilität. Bei einer einzelnen Episode ist keine umfangreiche Abklärung erforderlich.

Wie unterscheidet sich von Morbus Peyronie?

Morbus Mondor zeigt eine harte strangartige Tastbarkeit entlang der dorsalen Vene, ohne Penisverkrümmung. Morbus Peyronie zeigt eine fibröse Plaque in der Tunica albuginea der Schwellkörper mit Verkrümmung bei Erektion. Penisduplex bestätigt die fehlende Durchblutung der Vene bei Mondor.

Wie wird die Diagnose gestellt?

Klinische Untersuchung (Tastbarkeit eines harten, schmerzlosen Stranges an der Dorsalseite) und farbkodierter Penisduplex (fehlender Fluss in der oberflächlichen dorsalen Vene). Keine weitere Bildgebung erforderlich.

Wie ist die Therapie?

Konservativ: NSAR (Ibuprofen), lokale warme Umschläge, sexuelle Abstinenz 4–6 Wochen. Antikoagulanzien sind selten erforderlich. Bei Wiederauftreten oder atypischer Form wird eine Hyperkoagulabilitätsabklärung durchgeführt.

Wann sollte ich einen Urologen aufsuchen?

Bei Auftreten eines harten Stranges an der Dorsalseite des Penis, anhaltenden Schmerzen, Rezidiv oder fehlender Besserung nach 6–8 Wochen. Auch zur Diagnosebestätigung mit Doppler und zum Ausschluss anderer Ursachen.

Wird mein Sexualleben langfristig beeinträchtigt?

Nein. Morbus Mondor hinterlässt keine Restschäden. Die Sexualfunktion kehrt nach Abklingen der Thrombophlebitis vollständig zurück. Eine vorübergehende Abstinenz von 4–6 Wochen wird empfohlen, um eine Verschlechterung zu vermeiden.

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Wissenschaftliche Literatur

  1. EAU Guidelines on Sexual and Reproductive Health (2024) — uroweb.org
  2. Manimala NJ, Parker J. Evaluation and Treatment of Penile Thrombophlebitis (Mondor's Disease). Curr Urol Rep 2018;19(4):27 — pubmed.ncbi.nlm.nih.gov
  3. Conkbayir I, Yanik B, Keyik B, et al. Superficial dorsal penile vein thrombosis (penile Mondor's disease). J Clin Ultrasound 2010;38(3):158-60 — pubmed.ncbi.nlm.nih.gov
  4. Day S, Bingham JB. Mondor's disease of the penis. Indian J Urol 2010;26(3):443-5 — pubmed.ncbi.nlm.nih.gov

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