Mein klinischer Ansatz
Blasensteine sind nahezu immer sekundär — die Steinentfernung allein reicht nicht. Derselbe Eingriff muss auch die Ursache adressieren.
Ich richte mich nach den EAU Guidelines on Urolithiasis 2024 und den AUA-Empfehlungen:
- Holmium-Laser-Lithotripsie als Methode der Wahl — minimale mechanische Belastung, exzellente Fragmentation.
- Gleichzeitige Behandlung der Obstruktion (TURP, Sichturethrotomie) im selben Eingriff.
- Urodynamik vor TURP bei neurogener Erkrankung zur Bestätigung der obstruktiven Komponente.
- Sorgfältige Suche nach Fremdkörpern (Fäden, Katheter) bei voroperierten Patienten.
- Kinder: metabolische Abklärung, Ernährungsintervention, Ausschluss metabolischer Störungen.
- Antibiotische Prophylaxe nach Antibiogramm — chronische Infektion ist die Regel.
Was sind Blasensteine
Kristalline Konkremente, die sich in der Blase bilden. Zwei Typen:
Primäre Steine
In westlichen Ländern selten. Vor allem Kinder in endemischen Regionen (Afrika, Asien) mit Phosphor-Mangelernährung.
Sekundäre Steine
Über 95% — bedingt durch Harnstauung, Fremdkörper oder chronische Infektion.
Ätiologie
- Benigne Prostatahyperplasie (BPH) — häufigste Ursache bei Männern >50 (~70% der Fälle).
- Harnröhrenstrikturen — postoperativ, posttraumatisch, nach Katheterisierung.
- Neurogene Blase — Harnstauung, chronische Katheterableitung.
- Restharn >100 ml.
- Fremdkörper: chirurgische Fäden, Dauerkatheter, dislozierte IUD.
- Chronische Harnwegsinfekte mit Proteus, Klebsiella (Struvit).
- Blasendivertikel — lokale Stase.
- Vom Nierenstein abgegangenes Konkrement, das in der Blase liegen bleibt und wächst.
Symptome
Typisch
Intermittierender suprapubischer Schmerz, unterbrochener Harnstrahl (Stein verlegt die Harnröhre), makroskopische Hämaturie (oft terminal), Drang.
Begleitend
Rezidivierende Zystitis, Dysurie, Nykturie, Schmerzen, die mit Lagewechsel nachlassen (Stein bewegt sich).
Asymptomatisch in ~25% — Zufallsbefund in der Sonographie oder bei BPH-Abklärung. Bedeutet nicht, dass keine Therapie nötig ist (Risiko rezidivierender Infektionen).
Diagnostik
Detaillierte Anamnese
LUTS (Obstruktion), Voroperationen, Katheterverwendung, Anamnese oberer Harnsteinerkrankung.
Körperliche Untersuchung
Abdominalpalpation, digitale rektale Untersuchung der Prostata, neurologische Untersuchung bei Verdacht auf neurogene Blase.
Urinstatus + Kultur
Leukozyturie, Pyurie, Erythrozyten. Kultur leitet die perioperative Antibiotikaprophylaxe.
Sonographie der Blase
Erste Wahl: zeigt Steine >5 mm, misst Restharn, beurteilt Prostata, Wandstrukturen.
KUB-Röntgen
90% der Steine sind röntgendicht (Kalziumphosphat, Struvit, Kalziumoxalat). Harnsäuresteine sind röntgendurchlässig.
Nativ-CT
Bestätigung, Größenbestimmung, Ausschluss von Ureter-/Nierensteinen. HU-Dichte leitet die Wahl der Lithotripsie.
Zystoskopie
Direkte Inspektion + Beurteilung von Divertikeln, Fremdkörpern, obstruktivem Prostatagewebe. Häufig diagnostisch und therapeutisch in einem.
Urodynamik (selektiv)
Bei neurogener Blase, bei Patienten ohne offensichtliche Obstruktion. Bestätigt obstruktives vs. neurogenes Muster.
Endoskopische Therapie
Transurethrale Zystolitholapaxie (Goldstandard)
Durch das Zystoskop, ohne Schnitt. Fragmentierungsmethoden:
- • Holmium:YAG-Laser: Goldstandard für alle Steintypen.
- • Pneumatischer Lithotripter (Lithoclast): schnell, kostengünstig.
- • Ultraschall: kontinuierliches Absaugen der Fragmente.
- • Mechanisch (Mauermayer): älter, heute seltener.
Perkutane Zystolitholapaxie
Für Kinder und Erwachsene mit enger Harnröhre oder sehr großen Steinen. 30-Fr-perkutaner Zugang mit Holmium-Laser oder Ultraschall.
Offene Zystolithotomie
Selten indiziert: Steine >4-5 cm, mehrere große Steine, Kombination mit offener Prostatektomie. Kleine suprapubische Inzision, Steinentfernung, Blasenverschluss.
ESWL (extrakorporale Stoßwellenlithotripsie)
Keine erste Wahl — geringe Effektivität in der Blase und Risiko der Fragmentwanderung. Vorbehalten für Hochrisikopatienten ohne Anästhesiefähigkeit.
Behandlung der Ursache
Entscheidend — ohne diese beträgt das Rezidiv 30-60%. Im selben Eingriff:
- TURP (transurethrale Prostataresektion) bei BPH mit nachgewiesener Obstruktion.
- HoLEP / GreenLight bei großer Prostata oder antikoagulierten Patienten.
- Sichturethrotomie oder Urethroplastik bei Harnröhrenstrikturen.
- Entfernung von Fremdkörpern (Fäden, dislozierte IUD).
- Bei neurogener Blase: Optimierung des intermittierenden Selbstkatheterismus (CIC), intravesikales Botox, Neuromodulation.
Erholung & Nachsorge
- Tageschirurgie oder 24-48 Stunden stationär (nach kombinierter TURP).
- Foley-Katheter für 1-3 Tage (bis 7 nach TURP).
- Rückkehr zu alltäglichen Aktivitäten in 5-7 Tagen.
- Vermeidung intensiver Belastung 2-3 Wochen.
- Kontroll-Sonographie nach 4-6 Wochen, Restharnmessung, IPSS-Bewertung.
- Sterile Urinkultur vor dem Eingriff und 4 Wochen danach.
Rezidivprophylaxe
- Vollständige Behandlung der Ursache: meist ausreichend.
- Ausreichende Hydratation >2,5 L/Tag (Diurese >2 L).
- Überwachung des Restharns <100 ml.
- Sofortige Behandlung jedes neuen Harnwegsinfekts.
- Bei rezidivierender Erkrankung: 24-Stunden-metabolische Urinanalyse, Steinanalyse, gezielte Pharmakotherapie (Allopurinol, Citrate u.a.).
- Bei Patienten mit Dauerkatheter: Wechsel alle 4-6 Wochen, Silikon bevorzugen.
Häufige Fragen (FAQ)
Was sind Blasensteine?
Blasensteine sind kristalline Konkremente, die sich in der Harnblase bilden. In westlichen Ländern machen sie weniger als 5% aller Harnsteine aus und betreffen vor allem Männer über 50 mit zugrunde liegender Obstruktion (BPH).
Was sind die Ursachen?
In über 70% der Fälle besteht eine zugrundeliegende Obstruktion: Prostatavergrößerung, Harnröhrenstriktur, neurogene Blase mit Harnstauung. Weitere Ursachen: Fremdkörper (Katheter, Fäden, dislozierte IUD), rezidivierende Harnwegsinfekte, Mangelernährung in Entwicklungsländern (Kinder).
Welche Symptome treten auf?
Intermittierender suprapubischer Schmerz (verstärkt sich bei Bewegung), unterbrochener Harnstrahl, makroskopische Hämaturie, rezidivierende Zystitiden, Dranggefühl. In rund 25% der Fälle asymptomatisch und Zufallsbefund.
Wie wird die Diagnose gestellt?
Erste Wahl: Sonographie der Blase (einfach, ohne Strahlung). KUB-Röntgen (90% der Steine sind röntgendicht). Nativ-CT zur Bestätigung und zum Ausschluss weiterer Steine. Zystoskopie zur direkten Inspektion und Therapie.
Wie werden sie behandelt?
Endoskopisch mittels Zystolitholapaxie: mechanisch (Mauermayer), Holmium-Laser (Goldstandard), pneumatisch (Lithoclast), Ultraschall. Offene Zystolithotomie selten, nur bei sehr großen Steinen (>4-5 cm). Stets Behandlung der zugrundeliegenden Ursache (TURP, Urethrotomie).
Wie lange dauert die Erholung?
Die Zystolitholapaxie ist eine Tageschirurgie: Entlassung am selben oder am nächsten Tag. Katheter für 24-48 Stunden. Rückkehr zu alltäglichen Aktivitäten in 3-7 Tagen. Sonographische Verlaufskontrolle nach 4-6 Wochen zur Bestätigung der vollständigen Steinfreiheit.
Können Blasensteine wiederkommen?
Ja, in 30-60% der Fälle, wenn die Ursache (BPH, Striktur) nicht behandelt wird. Daher wird im selben Eingriff häufig eine kombinierte TURP oder Urethrotomie durchgeführt. Mit korrekter Ursachentherapie sinkt die Rezidivrate auf <5%.
Brauche ich eine spezielle Diät?
Bei Erwachsenen mit symptomatischer BPH-bedingter Lithiasis spielt die Diät eine geringe Rolle — entscheidend ist die Druckentlastung. Bei rezidivierender Erkrankung: 24-Stunden-metabolische Urinanalyse, erhöhte Flüssigkeitszufuhr (>2,5 L/Tag), Natrium- und Oxalat-Restriktion (Kinder).
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Kontaktieren Sie uns für eine umfassende Behandlung: Holmium-Laser-Lithotripsie kombiniert mit TURP oder Sichturethrotomie in einem Eingriff.
Wissenschaftliche Quellen
- EAU Guidelines on Urolithiasis 2024 — uroweb.org
- Philippou P, Moraitis K, Masood J, et al. The management of bladder lithiasis in the modern era of endourology. Urology 2012;79(5):980-6 — pubmed.ncbi.nlm.nih.gov
- Ramos-Cuellar A, Rodriguez-Patron R, et al. Cystolitholapaxy with Holmium:YAG laser. World J Urol 2019;37(5):881-7
- Donaldson JF, Ruhayel Y, Skolarikos A, et al. Treatment of bladder stones in adults and children: a systematic review for the EAU Guidelines. Eur Urol 2019;76(3):352-67 — pubmed.ncbi.nlm.nih.gov
- Rivera ME, Bhojani N, Heinsimer K, et al. Holmium laser for bladder calculi: a multi-institutional study. J Endourol 2020;34(2):153-7
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Dr. Marinos Vasilas, Urologe & Androloge
Kombinierter Ansatz bei Blasensteinen nach EAU 2024: Holmium-Laser-Zystolitholapaxie und gleichzeitige TURP / Sichturethrotomie in einem Eingriff — definitive Lösung mit niedriger Rezidivrate.
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