Was gemessen wird und warum es klinisch wichtig ist
Die Uroflowmetrie liefert eine quantitative und morphologische Beurteilung der Miktion:
- Qmax (maximale Flussrate): der höchste gemessene momentane Harnfluss.
- Qave (durchschnittliche Flussrate): der durchschnittliche Fluss während der gesamten Miktion.
- Miktionsvolumen: die insgesamt ausgeschiedene Urinmenge.
- Flusskurve: die Form der Kurve (glockenförmig, abgeflacht, unterbrochen), die oft diagnostische Hinweise liefert.
Die Untersuchung allein stellt keine endgültige Diagnose dar. Ihren vollen Wert erhält sie erst in Kombination mit Symptom-Scores (IPSS), der Restharnmessung und der klinischen Untersuchung.
Wahrscheinlich normale Miktion
Qmax ≥15 ml/s (bei ausreichendem Miktionsvolumen, meist >150 ml) mit gleichmäßiger, glockenförmiger Kurve.
Grenzwertiges oder gemischtes Bild
Qmax 10-15 ml/s oder eine unklare Kurvenform erfordert eine Korrelation mit Restharn und Symptomatik.
Möglicherweise pathologischer Fluss
Qmax <10 ml/s oder ein deutlich abgeflachtes/verlängertes Muster erhöht den Verdacht auf eine Obstruktion oder Detrusorunteraktivität.
Wann sie in der Praxis angeordnet wird
Wichtigste Indikationen:
- abgeschwächter Harnstrahl, verzögerter Miktionsbeginn, unterbrochene Miktion
- Gefühl der unvollständigen Blasenentleerung
- Beurteilung vor/nach einer Behandlung wegen BPH oder Harnröhrenstriktur
- Nachsorge nach urologischen Eingriffen
- Abklärung von Miktionsbeschwerden zusammen mit der Restharnmessung
Bei einer einzelnen Messung mit geringem Miktionsvolumen muss die Untersuchung oft wiederholt werden, um zuverlässigere Schlussfolgerungen zu erhalten.
Vorbereitung und technische Faktoren, die das Ergebnis beeinflussen
Für eine zuverlässige Uroflowmetrie:
- der Patient sollte einen normalen Harndrang verspüren, weder eine übervolle noch eine nahezu leere Blase
- ein Miktionsvolumen >150 ml wird bevorzugt
- eine gehetzte oder „erzwungene" Miktion sollte vermieden werden
- Privatsphäre im Untersuchungsraum verringert die Anspannung, die die Kurve verfälschen kann
Eine häufige Ursache für ein fälschlich niedriges Qmax ist Nervosität oder ein unvollständiger Miktionsbeginn in der klinischen Umgebung.
Interpretation der Flusskurve und weitere Schritte
Orientierende klinische Einordnung:
- symmetrisches, glockenförmiges Muster: eher vereinbar mit normaler Entleerung
- abgeflachtes, niedriges, verlängertes Muster: verdächtig auf eine Blasenauslassobstruktion
- unterbrochenes Muster: möglicher Hinweis auf eine Beckenbodenfunktionsstörung oder einen technischen Faktor
- niedriger Fluss zusammen mit hohem Restharn: erhöht den Verdacht auf eine klinisch relevante Funktionsstörung
Die Uroflowmetrie zeigt, ob weitere Untersuchungen notwendig sind, etwa eine Druck-Fluss-Urodynamik, eine Zystoskopie oder eine Bildgebung des oberen Harntrakts.






