Meine Klinische Erfahrung mit der Nephrostomie
Die Nephrostomie ist einer der kritischsten Eingriffe in der Urologie: Die rechtzeitige Drainage einer obstruierten, infizierten Niere rettet Leben. Der Eingriff ist schnell, wird in Lokalnärkose unter Ultraschallkontrolle durchgeführt und führt typischerweise zu einer dramatischen Verbesserung des Patientenzustands innerhalb weniger Stunden.
- Notfalldrainage der obstruierten/infizierten Niere (Pyonephrose).
- Lokalnärkose — rasche Einlage bei Notfällen.
- Ultraschall ± Röntgendurchleuchtungskontrolle für sicheren Zugang.
- Brückentherapie vor PCNL oder anderer definitiver Behandlung.
Was ist die Nephrostomie (PCN)?
Die PCN (Perkutane Nephrostomie) ist die perkutane Einlage eines dünnen Katheters direkt in das Nierenbecken-Kelch-System unter Bildgebungskontrolle. Zweck: Ableitung des Urins nach außen, Druckentlastung, Eiterableitung und Schutz der Nierenfunktion.
Katheter 8–14 Fr
Ein dünner Pig-tail- oder Foley-Katheter wird in die Niere eingelegt. Austausch alle 6–8 Wochen zur Blockadeprevention.
Ultraschallkontrolle
Echtzeit-Ultraschallbildgebung für sichere Punktion des dilatierten Kelches. Röntgendurchleuchtung zur Lagebeurteilung.
Keine Definitive Therapie
Die Nephrostomie ist eine Brücke — sie behandelt die Notfallsituation, nicht die Ursache. Die definitive Therapie (PCNL, URS, Tumorbehandlung) erfolgt in einem zweiten Schritt.
Indikationen & Notfälle
Obstruktive Harnwegsinfektion / Pyonephrose
Obstruierte + infizierte Niere = urologischer Notfall. Sofortige Nephrostomie + IV-Antibiotika. Verzögerung erhöht das Urosepsis-Risiko.
Steinobstruktion mit Urosepsis
Nierenstein obstruiert den Harnleiter + Fieber/septische Zeichen: sofortige Nephrostomie oder DJ-Stent. Nephrostomie bevorzugt, wenn DJ-Stent nicht möglich oder bei Verzögerungsrisiko.
Brücke vor PCNL
Drainage 2–4 Wochen vor PCNL: verbessert Nierenfunktion, eliminiert Infektion, reduziert perioperatives Urosepsis-Risiko.
Obstruktion durch Tumor
Extrinsische Harnleiterkompression durch maligne Erkrankung (z. B. Zervix-, Rektum-, Urothelkarzinom): Nephrostomie oder DJ-Stent zur Erhaltung der Nierenfunktion während der onkologischen Therapie.
Notfall: Eiter aus der Nephrostomie = Pyonephrose — urologischer Notfall mit sofortiger Drainage und IV-Antibiotika. Kontaktieren Sie sofort einen Urologen.
Vor dem Eingriff
Bildgebung
CT oder Ultraschall zur Bestätigung der Hydronephrose und Identifikation des Zielkelches. Anatomische Beurteilung für den optimalen Zugangsweg.
Blutuntersuchungen
INR/PTT, Thrombozyten, Nierenfunktion. Gerinnungskorrektur falls pathologisch.
Antibiotika
Bei Notfalldrainage: IV-Antibiotika vor dem Eingriff. Urin- oder Eiterkultur aus der Nephrostomie sofort bei Einlage.
Ablauf der Nephrostomie
Narkose & Lagerung
Lokalnärkose (Lidocain) + IV-Analgesie/Sedierung. Patient in Bauchlage oder Seitenlage.
Ultraschallkontrolle
Echtzeit-Ultraschallbildgebung zur Lokalisation des dilatierten Kelches. Auswahl des optimalen Einstichpunkts (dorsaler unterer Kelch für Sicherheit).
Nadel & Führungsdraht
Seldinger-18G-Nadel in den Kelchraum platziert. Aspiration von Urin/Eiter (Bestätigung + Kultur). Führungsdraht eingelegt.
Katheter
Kanaldilatation; 8–14 Fr Pig-tail-Katheter eingelegt. Fluoroskopische Lagekontrolle. Katheter an der Haut fixiert.
Narkose & Aufenthalt
Nephrostomie-Katheterpflege
Einstichstellenpflege
Tägliche Reinigung mit Antiseptikum. Anschluss an sterilen Drainagebeutel. Patienten- und Pflegepersonenschulung.
Flüssigkeitszufuhr
>2 L/Tag zur Aufrechterhaltung des Urinflusses und Vermeidung von Katheterverstopfung.
Kathetertausch
Alle 6–8 Wochen in der Praxis oder im Krankenhaus. Notfallaustausch bei Blockade oder Ausfall des Katheters.
Wann den Urologen kontaktieren
Fieber, erhöhte Hämaturie, Drainagestopp oder eitriges Sekret aus der Nephrostomie: SOFORT Urologen kontaktieren.
Nephrostomie vs DJ-Stent
DJ-Stent: Intern, Komfortabel
Internes Drainagesystem — kein externer Katheter für den Patienten. Kein Beutelmanagement. Jedoch: weniger effektiv bei Pyonephrose oder vollständiger Obstruktion.
Nephrostomie: Extern, Effektiver
Größerer Drainagefluss. Der Urologe kontrolliert den Fluss direkt. Unbedingt erforderlich, wenn DJ-Stent nicht möglich oder bei Pyonephrose. Nachteil: externer Katheter schränkt Aktivitäten ein.
Klinische Entscheidung
Notfallinfektion oder Pyonephrose: Nephrostomie zuerst. Elektive Obstruktion ohne Infektion: DJ-Stent oft ausreichend. Unmöglichkeit des endoskopischen Zugangs: Nephrostomie.
Mögliche Komplikationen
Blutung (2–5 %)
HäufigsteMeist leicht — selbstlimitierend. Schwere Blutung (<1 %): Angiographie/Embolisation.
Katheterausfall / -verschiebung (5–10 %)
HäufigRasche Neueinlage zur Vermeidung des Kanalverschlusses. Korrekte Fixierung reduziert das Risiko.
Infektion (2–5 %)
RelevantKorrekte Katheterpflege + Wechsel alle 6–8 Wochen. Fieber: Urologen kontaktieren.
Verletzung benachbarter Strukturen (<1 %)
SeltenRippen, Milz, Leber, Darm: selten bei korrekter Ultraschallkontrolle.
Häufige Fragen (FAQ)
Was ist eine Nephrostomie?
Die Nephrostomie (PCN — Perkutane Nephrostomie) ist die Einlage eines dünnen Katheters direkt in die Niere durch die Haut, unter Ultraschall- und/oder Röntgendurchleuchtungskontrolle. Zweck: sofortige Drainage einer obstruierten Niere. Der Katheter leitet den Urin nach außen ab und entlastet die Niere von Druck und Infektion.
Wann ist eine Nephrostomie notwendig?
Notfallindikationen: (1) Obstruktive Harnwegsinfektion mit Urosepsis-Risiko (obstruierte infizierte Niere — urologischer Notfall). (2) Pyonephrose — Eiteransammlung in der Niere. (3) Unkontrollierbare Nierenkoliken bei Obstruktion. Elektive Indikationen: Dekompression vor PCNL, Obstruktion durch Tumor oder Schwangerschaft.
Kann die Nephrostomie in Lokalnärkose durchgeführt werden?
Ja — die Nephrostomie wird in der Regel in Lokalnärkose mit IV-Sedierung/Analgesie durchgeführt. Bei Kindern oder sehr ängstlichen Patienten kann eine Allgemeinärkose eingesetzt werden. Im Notfall: Lokalnärkose ermöglicht rasche Einlage ohne Verzögerung.
Wie lange verbleibt der Nephrostomiekatheter?
Abhängig von der Ursache. Bei Notfalldrainage eines Steins: bis der Stein behandelt wird (PCNL, URS). Meist 1–4 Wochen. Bei Tumorobstruktion: kann dauerhaft verbleiben. Austausch alle 6–8 Wochen zur Vermeidung von Blockade oder katheterbedingter Infektion.
Was ist Pyonephrose und warum ist sie ein Notfall?
Pyonephrose ist eine Eiteransammlung im Nierenbecken-Kelch-System durch eine obstruierte Infektion. Ohne sofortige Drainage wird die Niere zerstört, und der Patient riskiert Urosepsis oder septischen Schock. Nephrostomie = Notfalldrainage + IV-Antibiotika.
Was ist der Unterschied zwischen Nephrostomie und DJ-Stent?
Nephrostomie: externer Katheter — leitet Urin nach außen ab. Perkutan eingelegt. DJ-Stent (Double-J): intern — endoskopisch über die Harnröhre eingelegt, leitet Urin von der Niere in die Blase. Nephrostomie bevorzugt, wenn DJ-Stent nicht möglich ist (hohe Obstruktion, anatomische Schwierigkeiten) oder bei Pyonephrose.
Welche Komplikationen können nach einer Nephrostomie auftreten?
Blutung (2–3 %): meist leicht, selbstlimitierend. Katheterverschiebung oder -ausfall: Behandlung durch Neueinlage. Infektion um den Katheter: durch korrekte Pflege vermeidbar. Selten: Verletzung benachbarter Organe.
Ist eine Hospitalisierung bei der Nephrostomie erforderlich?
Bei Notfällen (Pyonephrose, Urosepsis): Krankenhausaufnahme für IV-Antibiotika notwendig. Bei geplanten Einlagen: ambulant oder 1 Tag stationär. Patientenschulung für die Katheterpflege zu Hause ist unbedingt erforderlich.
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Bibliographie & Quellen
- EAU Guidelines on Urological Infections 2024 — uroweb.org
- EAU Guidelines on Urolithiasis 2024 — uroweb.org
- Ramchandani P, et al. Percutaneous Nephrostomy. Semin Intervent Radiol 2011;28:424–429.
- Pearle MS, et al. Medical Management of Kidney Stones: AUA Guideline. J Urol 2014;192:316–324.
Medizinische Redaktion

Dr. Marinos Vasilas, Urologe – Androloge
Dr. Marinos Vasilas führt Nephrostomien in Notfall- und Elektivsituationen durch und gewährleistet sofortige Dekompression und Schutz der Nierenfunktion.
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