Mein klinischer Ansatz
Azoospermie ist eine der psychisch belastendsten Diagnosen für ein Paar mit Kinderwunsch. Die Aussage, „es gibt keine Spermien“, ist – zum Glück – nicht das letzte Wort. Die microTESE hat weltweit Tausenden von Paaren eine echte Möglichkeit eröffnet.
Der entscheidende Erfolgsfaktor ist nicht allein die Technik, sondern die umfassende präoperative Abklärung: Genetik (Karyotyp, AZF-Deletionen), Hormonstatus, Ultraschall und ggf. hormonelle Optimierung vor dem Eingriff. Nur dann können wir realistische Erwartungen formulieren.
- Vollständige hormonelle und genetische Abklärung vor jeder Entscheidung.
- Bei geeigneten Patienten: präoperative hormonelle Optimierung (FSH, hCG, Clomifen).
- Koordination mit einem reproduktionsmedizinischen IVF-Zentrum für optimale Ergebnisse.
- Kryokonservierung gewonnener Spermien auch ohne geplanten sofortigen ICSI-Zyklus.
Was ist Hodenbiopsie – microTESE
MicroTESE (Microsurgical Testicular Sperm Extraction) ist ein mikrochirurgischer Eingriff zur Spermiengewinnung direkt aus dem Hodenparenchym bei Männern mit schwerer Beeinträchtigung der Spermatogenese oder völliger Abwesenheit von Spermien im Ejakulat (Azoospermie).
Der entscheidende Vorteil gegenüber der konventionellen TESE: Mit dem Operationsmikroskop (Vergrößerung ×15–25) erkennt der Chirurg sichtbar dilatierte Samenkanälchen – ein Zeichen aktiver Spermatogenese – und entnimmt selektiv nur diese. Ergebnis: deutlich höhere Gewinnungsrate und minimale Schädigung der testosteronproduzierenden Leydig-Zellen.
Gewonnene Spermien werden ausschließlich für IVF/ICSI (intrazytoplasmatische Spermieninjektion) verwendet – sie können nicht für eine intrauterine Insemination genutzt werden.
Techniken zur Spermiengewinnung
MicroTESE
Operationsmikroskop zur gezielten Entnahme dilatierter Kanälchen mit aktiver Spermatogenese. Effektivste Technik bei NOA. Gewinnungsrate: 40–60 % bei NOA.
Konventionelle TESE
Eine oder zwei zufällige Biopsien ohne Mikroskop. Weniger effektiv bei NOA (20–40 %). Hervorragende Ergebnisse (>90 %) bei obstruktiver Azoospermie.
PESA / MESA
Spermiengewinnung aus dem Nebenhoden (PESA: perkutan, MESA: mikrochirurgisch). Indiziert bei obstruktiver Azoospermie (z.B. Ductus-deferens-Aplasie, Ejaculationsgangstenose).
FNA (Feinnadelaspiration)
Minimal-invasiv, aber geringe diagnostische Ausbeute bei NOA. Nützlich für zytologische Bewertung und Mapping.
Indikationen
Die microTESE ist indiziert bei Männern mit bestätigter Azoospermie (in mindestens zwei Samenanalysen), die über IVF/ICSI Kinder haben möchten, insbesondere wenn die Ätiologie ist:
Präoperative Abklärung
Spermiogramm ×2
Bestätigung der Azoospermie in zwei separaten Analysen mit Pelletuntersuchung nach Zentrifugation.
Hormonstatus
FSH, LH, Testosteron, Prolaktin, SHBG – Differenzierung obstruktive vs. nicht-obstruktive Azoospermie.
Genetische Diagnostik
Karyotyp und AZF-Deletionen – obligatorisch vor microTESE. Liefern Prognose und Information für Erblichkeitsberatung.
Skrotalultraschall
Beurteilung des Hodenvolumens, Ausschluss von Maligniät, Bewertung der Parenchymstruktur.
Spermakryokonservierung (falls vorhanden)
Wenn in einer früheren Samenanalyse vereinzelte Spermien gefunden wurden, wird eine Kryokonservierung empfohlen.
Die Operation Schritt für Schritt
Erfolgsraten
Bei erfolgreicher Spermiengewinnung liegt die ICSI-Schwangerschaftsrate bei 30–50 % pro Embryotransfer, abhängig vom Alter der Partnerin und der Eizellqualität.
Erholung
Ambulanter Eingriff – Entlassung innerhalb von 4–6 Stunden. Analgesie, skrotales Stützmieder.
Leichte Beschwerden und Ödem – meist rückläufig. Ruhe, körperliche Anstrengung vermeiden.
Rückkehr zur Büroarbeit. Anstrengende körperliche Aktivität vermeiden.
Vollständige Erholung. Hormonkontrolle nach 3 Monaten.
Mögliche Komplikationen
Selten bei mikrochirurgischer Technik.
Behandlung mit Antibiotika.
Meist reversibel – Nachkontrolle nach 3 Monaten.
Selten; vor allem bei vorbestehender Hodeninsuffizienz.
Die microTESE ist einer der sichersten Eingriffe in der Andrologie. Das Risiko einer schwerwiegenden Hodenverletzung ist dank präziser mikrochirurgischer Technik minimal (<1 %).
Häufig gestellte Fragen
Was ist der Unterschied zwischen TESE, microTESE und FNA?
Die konventionelle TESE entnimmt kleine Gewebeproben von einer oder zwei zufälligen Stellen. Die microTESE nutzt ein Operationsmikroskop, um sichtbar dilatierte – und damit aktive – Samenkanälchen zu identifizieren und Gewebe gezielt an mehreren Stellen zu entnehmen, mit deutlich geringerer Schädigung des Hodenparenchyms. Die FNA (Feinnadelaspiration) ist weniger invasiv, hat aber eine niedrigere diagnostische Ausbeute und wird bei schwerer Azoospermie nicht für IVF/ICSI eingesetzt.
Wie groß sind die Chancen, Spermien mit microTESE zu finden?
Der Erfolg hängt von der Ursache der Azoospermie ab. Bei nicht-obstruktiver Azoospermie (NOA) erzielt die microTESE eine Spermiengewinnung bei 40–60 % der Fälle. Klinefelter-Syndrom (47XXY): 40–55 %. Hypogonadotroper Hypogonadismus: >70 %. Günstige Prognosefaktoren: Hormonspiegel (FSH, Testosteron) und histologisches Muster (fokale Spermatogenese vs. vollständiger Reifungsarrest).
Können gewonnene Spermien eingefroren werden?
Ja. Bei der microTESE gewonnene Spermien werden sofort kryokonserviert. Wenn die Partnerin keinen gleichzeitigen IVF-Zyklus durchläuft, können die Spermien für eine spätere Verwendung gelagert werden. Die Kryokonservierung reduziert die ICSI-Erfolgsrate nicht wesentlich.
Muss der Eingriff gleichzeitig mit dem IVF-Zyklus der Partnerin stattfinden?
Nicht zwingend. Die microTESE kann separat mit Spermakryokonservierung oder gleichzeitig mit der Eizellentnahme durchgeführt werden. Die simultane Operation maximiert die Verfügbarkeit frischer Spermien, erhöht aber die Zahl verlorener Eizellen, wenn die Gewinnung scheitert.
Beeinflusst die microTESE den Testosteronspiegel?
Die microTESE entnimmt minimales Hodenparenchym und der Testosteronspiegel bleibt bei der großen Mehrheit der Männer im Normbereich. In seltenen Fällen (ausgedehnter Schaden oder bereits grenzwertige Spiegel) kann ein vorübergehender oder dauerhafter Abfall auftreten – eine Hormonnachkontrolle nach 3 Monaten wird empfohlen.
Ist ein Krankenhausaufenthalt erforderlich?
Die microTESE ist ein ambulanter Eingriff mit einer Dauer von 1,5–2 Stunden. Der Patient wird noch am selben Tag nach einer kurzen Überwachungsphase im Aufwachraum entlassen. Die Erholung ist schnell – Rückkehr zur Büroarbeit nach 3–5 Tagen.
Termin auf Rhodos vereinbaren
Wenn bei Ihnen Azoospermie diagnostiziert wurde und Sie eine Bewertung für microTESE wünschen, kontaktieren Sie unsere urologische Praxis auf Rhodos für eine spezialisierte andrologische Beurteilung.
Literatur
- EAU-Leitlinien zur männlichen Infertiliät 2024 — uroweb.org
- Schlegel PN. Testicular sperm extraction: microdissection improves sperm yield with minimal tissue excision. Hum Reprod. 1999;14(1):131–135.
- Bernie AM et al. Comparison of microdissection TESE, conventional TESE, and TESA for NOA. Fertil Steril. 2015;104(5):1099–1103.
- AUA/ASRM Best Practice Statement on Male Infertility 2021 — auanet.org
Medizinische Redaktion

Dr. Marinos Vasilas, Urologe – Androloge
Dr. Vasilas führt microTESE mit dem Operationsmikroskop in enger Zusammenarbeit mit reproduktionsmedizinischen IVF-Zentren durch. Jedes Paar wird ganzheitlich bewertet, wobei die Behandlungsstrategie individuell auf das genetische und hormonelle Profil abgestimmt wird.
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