Retroperitoneale Fibrose

Fachärztliche Diagnostik und Therapie für Retroperitoneale Fibrose. Dr. Marinos Vasilas — Urologe auf Rhodos, Griechenland.

Οπισθοπεριτοναϊκή Ίνωση - Απόφραξη Ουρητήρων | Ουρολόγος Ρόδος
Dr. Marinos Vasilas23. April 202612 Min. Lesezeit

Notfall: Bilaterale Harnleiterobstruktion → akute Nierenschädigung (AKI) — sofortige Dekompression (JJ-Stents/PCN) + immunmodulatorische Therapie.

Schnelle Antwort

Die retroperitoneale Fibrose (Morbus Ormond) ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung, die Aorta/IVC/Harnleiter umschließt und bilaterale Hydronephrose verursacht. Diagnostik: CT/MRT + Biopsie + IgG4. Therapie: sofortige Dekompression + Kortikosteroide/Tamoxifen/MMF/Rituximab; Versagen → Ureterolyse mit Omentumeinhüllung.

Mein klinischer Ansatz

Die retroperitoneale Fibrose ist selten, aber bedrohlich für die Nierenfunktion. Das Management ist multimodal: notfallmäßige Nierenrettung durch Dekompression + immunmodulatorische Therapie + chirurgische Reparatur, wenn erforderlich.

Gemäß EAU 2024 (Harnleiterobstruktion), ACR-Kriterien 2020 für IgG4-RD und ESH 2023:

  • Frühe Dekompression mit JJ-Stents oder PCN bei bilateraler Hydronephrose.
  • Kontrastmittel-CT/MRT + Serum-IgG4 + BSG/CRP zur diagnostischen Stadieneinteilung.
  • CT-gesteuerte Biopsie für histologische Diagnose und Ausschluss von Malignität.
  • Kortikosteroide Erstlinie (Prednisolon 1 mg/kg Ausschleichen).
  • Tamoxifen / MMF / Rituximab bei Rezidiv oder IgG4-RD.
  • Ureterolyse mit Omentumeinhüllung laparoskopisch/robotisch bei Versagen.
  • Langzeitnachsorge mit CT/MRT alle 6-12 Monate + Nierenfunktion.

Was ist die retroperitoneale Fibrose

Die retroperitoneale Fibrose (RPF — Morbus Ormond) ist gekennzeichnet durch Ansammlung von fibrösem Gewebe, das die absteigende Bauchaorta, die IVC und die Harnleiter umschließt, ohne die Gefäße zu verlagern. Erstbeschreibung durch Albarran (1905) und Ormond (1948).

Inzidenz: ~1:200.000-500.000 jährlich. Männer:Frauen = 3:1. Häufigstes Diagnosealter: 40-60 Jahre. In 30% der Fälle besteht eine systemische Autoimmunerkrankung (IgG4-RD, ANCA-assoziierte Vaskulitis, rheumatoide Arthritis).

Wichtig: Die RPF verlagert die Aorta nicht nach anterior, ein Merkmal, das sie von retroperitonealem Lymphom oder Sarkom unterscheidet.

Ursachen (idiopathisch vs sekundär)

Idiopathisch (2/3 — 70%)

  • IgG4-assoziierte Erkrankung (bis zu 50%)
  • • Autoimmun-entzündlich
  • • Morbus Ormond
  • • Assoziation mit Bauchaortenaneurysmen (entzündliches Aneurysma)

Sekundär (1/3 — 30%)

  • Medikamente: Methysergid, Ergotamin, β-Blocker, Methyldopa, Hydralazin, Amiodaron
  • Malignität: Lymphom, Metastasen (Brust, Prostata, Lunge), Karzinoid
  • Infektionen: Tuberkulose, Aktinomykose, Histoplasmose
  • Strahlentherapie Abdomen/Becken
  • Chirurgie retroperitoneal / Trauma

Symptome & klinisches Bild

Klassische Trias:

  • Chronischer dumpfer Flanken-/Bauchschmerz (95%) — unspezifisch, Wochen bis Monate dauernd.
  • Bilaterale Hydronephrose (75%) — schleichende Harnleiterobstruktion.
  • Erhöhte BSG/CRP/Kreatinin — Laborbefunde.

Systemisch

Müdigkeit, Gewichtsverlust, subfebrile Temperaturen, Anorexie, Nachtschweiß.

Durch IVC-Kompression

Beinödeme, tiefe Beinvenenthrombose (TVT), Hodenschwere (bilaterale Varikozele).

Durch akute Nierenschädigung

Oligurie/Anurie, Hyperkaliämie, Übelkeit/Erbrechen, Hypertonie, Flüssigkeitsüberladung.

Durch arterielle Kompression

Claudicatio intermittens, schwere renovaskuläre Hypertonie durch Nierenarterienstenose (selten).

Diagnostik (CT/MRT, Biopsie, IgG4)

1

Labor

BSG, CRP (erhöht in 80%), Kreatinin/eGFR, Urinanalyse, Serum-IgG4 (>135 mg/dL verdächtig), ANA, ANCA, Rheumafaktor — Ausschluss systemischer Autoimmunerkrankung.

2

Nierensonographie

Bilaterale Hydronephrose + ggf. retroperitoneale Masse. Erstlinie.

3

Kontrastmittel-CT des Abdomens

Diagnostisch. Charakteristische Masse retroperitoneal, die Aorta/IVC/Harnleiter umschließt, ohne sie zu verlagern. Unterschied zur Malignität: RPF verlagert die Aorta nicht nach anterior.

4

MRT des Abdomens

Bessere Weichteilauflösung. In T2-Sequenzen: aktive RPF = hohes Signal (Ödem/Entzündung); chronisch inaktiv = niedriges Signal (Fibrose).

5

PET-CT (FDG)

Krankheitsaktivität: vermehrte FDG-Aufnahme in entzündlichen Bereichen. Therapieresponse-Monitoring. Differenzierung zur Malignität.

6

CT-gesteuerte Biopsie

Bestätigung: lymphoplasmazelluläre Infiltrate, vermehrte IgG4+ Plasmazellen (>10/HPF bei IgG4-RD), storiforme Fibrose. Ausschluss von Malignität (Lymphom, Sarkome).

7

DMSA / Szintigraphie

Beurteilung der Nierenfunktion vor und nach Dekompression.

Sofortige Dekompression (Notfall)

Sepsis oder AKI = Notfall. Dekompression innerhalb 24 Stunden. Undiagnostizierte Hyperkaliämie >6,5 mmol/L → sofortige Hämodialyse.

JJ-Stent (Erstlinie)

Endoskopische Anlage unter Durchleuchtung. Kann bei schwerer Harnleiterummantelung durch Fibrose versagen. Wechsel alle 3-6 Monate bis zur definitiven Behandlung.

Perkutane Nephrostomie (PCN)

Wenn die endoskopische JJ-Stent-Anlage versagt. Sofortige Nierenentlastung, Diuresekontrolle. Schrittweiser Übergang zum JJ-Stent, wenn die Fibrose erreicht ist.

Versorgung nach Dekompression

IV-Flüssigkeit + Elektrolytkontrolle (häufig postobstruktive Diurese), Antibiotika (Cephalosporin + Aminoglykosid bei Sepsis), Azidosekorrektur.

Medikamentöse Therapie

1. Kortikosteroide (Erstlinie)

Prednisolon 1 mg/kg/Tag × 4 Wochen, Ausschleichen auf 5-10 mg/Tag Erhaltung für 6-12 Monate. Ansprechen 75%. Kontrolle: BSG, CRP, CT-Masse alle 3 Monate.

2. Tamoxifen

20 mg 2×/Tag. Alternative bei Patienten mit Kontraindikationen gegen Steroide oder in Kombination. Ansprechen ähnlich der Niedrigdosis-Kortikosteroide (van Bommel 2009).

3. Mycophenolatmofetil (MMF)

1 g 2×/Tag, in Kombination mit Niedrigdosis-Prednisolon. Bei Rezidiv oder Resistenz auf Kortikosteroid-Monotherapie. Steroidsparend für chronische Immunsuppression.

4. Rituximab (anti-CD20)

1 g IV × 2 Dosen (im Abstand von 2 Wochen). Hochwirksam bei IgG4-assoziierter Erkrankung (Khosroshahi 2013). Indikation: Versagen oder Rezidiv unter anderen Therapien.

5. Methotrexat / Cyclophosphamid

Alternative Immunsuppressiva in schwierigen Fällen. Heute oft durch MMF/Rituximab ersetzt aufgrund besseren Sicherheitsprofils.

Chirurgische Behandlung

Indikationen: Versagen der konservativen Therapie ≥6 Monate, Re-Obstruktion nach Stentwechsel, multiple Rezidive, unverträgliche Nebenwirkungen der Immunsuppressiva.

Ureterolyse mit Omentumeinhüllung

Standardtechnik: Entfernung des fibrösen Gewebes um die Harnleiter, intraperitoneale Verlagerung, Einhüllung mit Omentum (als antifibrotische Barriere). Laparoskopischer oder robotischer Zugang bevorzugt. Erfolg 80-90%.

Harnleiterersatz

Bei ausgedehnter Harnleiterschädigung: Plastik mit Wangenschleimhaut, Ileuminterposition, Nierenautotransplantation oder Boari-Lappen.

Permanente Nephrostomie

Bei Patienten, die nicht operationsfähig sind, oder bei Versagen der Ureterolyse. Alternative: Resonance-Metallstents (12-monatige Liegedauer) oder Nierenautotransplantation zum Funktionserhalt.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Was ist die retroperitoneale Fibrose?

Die retroperitoneale Fibrose (Morbus Ormond) ist eine seltene chronisch-entzündliche Erkrankung, gekennzeichnet durch Ablagerung von fibrösem Gewebe im Retroperitoneum, das die Aorta, V. cava inferior und die Harnleiter umschließt und zu progressiver Obstruktion und Hydronephrose führt. Inzidenz ~1:200.000 jährlich, häufiger bei Männern (3:1), Alter 40-60 Jahre.

Was sind die Ursachen?

Idiopathisch (2/3 der Fälle): autoimmun/IgG4-assoziierte Erkrankung. Sekundär (1/3): Medikamente (Methysergid, Ergotamin, β-Blocker, Methyldopa), Malignität (Lymphom, Metastasen), Infektion (Tuberkulose, Aktinomykose), Strahlentherapie, Bauchaortenaneurysmen.

Was sind die Symptome?

Klassische Trias: chronischer Flankenschmerz + bilaterale Hydronephrose + erhöhte Kreatinin/BSG/CRP. Systemisch: Müdigkeit, Gewichtsverlust, subfebrile Temperaturen. Im fortgeschrittenen Stadium: Symptome akuter Nierenschädigung (AKI), Beinödeme durch IVC-Kompression, Hypertonie, Anurie.

Wie wird sie diagnostiziert?

Kontrastmittel-CT/MRT des Abdomens: retroperitoneale Masse, die Aorta, IVC und Harnleiter umschließt, ohne die Gefäße zu verlagern (Unterschied zur Malignität). PET-CT: Krankheitsaktivität. CT-gesteuerte Biopsie: bestätigt Diagnose + schließt Malignität/IgG4 aus. Serum-IgG4, BSG, CRP, Nierenfunktion.

Wie wird die akute Obstruktion behandelt?

Sofortige Dekompression: endoskopische JJ-Stent-Anlage oder perkutane Nephrostomie (PCN) bei Versagen der endoskopischen. Bei Sepsis oder AKI = Notfall. Initial IV-Flüssigkeit + Antibiotika + Elektrolytkontrolle wegen postobstruktiver Diurese.

Was ist die medikamentöse Therapie?

Kortikosteroide Erstlinie: Prednisolon 1 mg/kg/Tag × 4 Wochen, Ausschleichen über 6-12 Monate. Tamoxifen 20 mg 2×/Tag: Alternative oder in Kombination. Mycophenolatmofetil 1g 2×/Tag: bei Rezidiv oder Resistenz. Rituximab: bei IgG4-assoziierter Erkrankung, 1g IV × 2 Dosen.

Wann ist eine Operation indiziert?

Ureterolyse mit Omentumeinhüllung: bei Versagen der konservativen Therapie ≥6 Monate, bei Re-Obstruktion nach Stentwechsel oder Rezidiv. Laparoskopischer oder robotischer Zugang bevorzugt. Erfolg 80-90%.

Wie ist die Prognose?

5-Jahres-Überleben 90% bei idiopathischer Form. Nierenfunktion erholt sich in 70-80% mit zeitgerechter Dekompression. Rezidiv in 30% — Langzeitnachsorge erforderlich mit CT/MRT und Nierenfunktion alle 6 Monate, dann jährlich. Sekundäre Formen abhängig von der Grundursache.

Welche Beziehung besteht zur IgG4-assoziierten Erkrankung?

Bis zu 50% der idiopathischen Fälle gehören zum Spektrum der IgG4-assoziierten Erkrankung (IgG4-RD): systemische Autoimmunerkrankung mit erhöhtem Serum-IgG4 + lymphoplasmazellulären Infiltraten in der Biopsie. Häufig zusammen mit Sialadenitis, Pankreatitis Typ 1, Cholangitis. Rituximab hochwirksam.

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Ethnikis Antistaseos 18, 2. Etage, Rhodos+30 2241 031123Online-Termin

Wissenschaftliche Literatur

  1. EAU Guidelines on Urological Trauma & Ureteral Obstruction (2024) — uroweb.org
  2. Vaglio A, Salvarani C, Buzio C. Retroperitoneal fibrosis. Lancet 2006;367(9506):241-51 — pubmed.ncbi.nlm.nih.gov
  3. van Bommel EFH et al. Tamoxifen vs prednisone for treatment of idiopathic retroperitoneal fibrosis. Eur Urol 2009;55(6):1448-55 — pubmed.ncbi.nlm.nih.gov
  4. Khosroshahi A et al. Rituximab therapy leads to rapid decline of serum IgG4 levels and prompt clinical improvement in IgG4-related disease. Medicine 2013;92(2):82-91 — pubmed.ncbi.nlm.nih.gov
  5. Fenaroli P et al. Mycophenolate mofetil and prednisone vs prednisone monotherapy for idiopathic retroperitoneal fibrosis: an RCT. Lancet Rheumatol 2021;3(7):e483-e491 — pubmed.ncbi.nlm.nih.gov

Ärztliche Betreuung

Dr. Marinos Vasilas — Urologe Androloge Rhodos

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Dr. Marinos Vasilas behandelt die retroperitoneale Fibrose mit modernem multimodalem Ansatz: dringende endoskopische Dekompression, pharmakologische Immunregulation (Kortikosteroide/Tamoxifen/MMF/Rituximab) und chirurgische Ureterolyse mit Omentumeinhüllung laparoskopisch/robotisch gemäß EAU 2024.

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